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brand eins 12/2013 (App)

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Titel: Du bist so 90er

Schwerpunkt: Zeitgeist

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Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Wissen, was kommt

• In den frühen Jahren nannte ein Medienjournalist brand eins einmal „Zeitgeist-Magazin“ – wir waren empört. Nicht nur, weil wir andere Themen hatten als »Tempo« oder »Wiener«, die für das Genre standen und längst entschlafen sind: Wir fühlten uns auch keineswegs als temporäre Erscheinung. 14 Jahre später kann man sagen, zu Recht.
Mittlerweile haben wir uns mit dem Zeitgeist versöhnt. Seit er nicht mehr im Trend liegt, weiß keiner mehr so genau, wofür er steht. Was allerdings nicht bedeutet, dass es ihn nicht mehr gibt: Wen immer wir für die Geschichten in dieser Ausgabe gefragt haben, hatte eine Vorstellung von ihm. Wenn auch jeder eine andere.
Das zeigt am deutlichsten jene Strecke, für die sich vier Fotografen und eine Illustratorin aufgemacht haben, ihn einzufangen (S. 62). Vier Arbeiten, vier völlig unterschiedliche Interpretationen – und doch verbunden, wenn man den Auftrag kennt. „Der Zeitgeist ist einerseits beliebig, andererseits extrem klar“, sagt der Kulturphilosoph Ralf Konersmann, den die Autoren Mischa Täubner und Jakob Vicari auf ihrer Suche nach Experten trafen (S. 54). Und wie sollen ihn Werber oder Unternehmer dann erkennen? Wenn „seine Gestalt alt“, er also von gestern ist, so die nicht eben tröstliche Erkenntnis des Philosophen, sei das ganz leicht.
Wer der Kostümdirektorin der Salzburger Festspiele durch ihren gewaltigen Fundus folgt, findet das bestätigt – und erfährt gleichzeitig, wie anregend und lehrreich die Zeitgeist-Reise in die Vergangenheit ist (S. 70). Es ist eben nicht banal, was unausgesprochen und doch offensichtlich in der Zeit liegt. Das spüren schmerzlich die Autoproduzenten, die so lange en vogue waren und heute junge Kunden verlieren (S. 112). Und das spürt auch ein Traditionalist wie der Deutsche Alpenverein: Seit Klettern zur Trendsportart geworden ist, begegnen sich in den Bergen Welten (S. 124).
Da ist schon besser dran, wer weiß, was kommt – oder es zumindest ahnt. Die Freitag-Brüder jedenfalls trafen mit ihren Taschen aus Lastwagen-Planen vor 20 Jahren den Nerv der Zeit, erstaunlich ist, wie es gelang, daraus ein Geschäft mit Zukunft zu machen (S. 98). Auch die Gründer von iFixit.com hatten vor zehn Jahren ein gutes Gespür: Ihr Elektronik-Bastlerportal wächst seit 2003 (S. 104). Die Gründer von Muro.exe und Twothirds müssen erst noch beweisen, ob ihre Ideen genug Kraft für die Langstrecke haben (S. 108, 118): Beide verkaufen so etwas wie politisch korrekten Konsum. Das liegt im Trend, aber ist es ein Geschäft?
Hans Hinrich Hatjes Antwort ist eindeutig: Nach 21 Jahren als Biobauer hat er im vergangenen Herbst wieder auf konventionelle Landwirtschaft umgestellt (S. 86). Er ist kein Einzelfall. Denn auch wenn die grüne Welle allerorten beschworen wird: Der Kunde liebt Öko zum Billigpreis. Überhaupt hat der Zeitgeist eher selten ökonomisches Gespür. Die schöne Idee, alle Kinder gemeinsam zu unterrichten, egal, ob sie hochbegabt oder behindert sind, scheitert im richtigen Leben zu einem guten Teil am Geld (S. 142).
Was also tun, mit dem unsteten Gesellen? Im Auge behalten hilft – entspannter Umgang auch. Wir haben zum Beispiel für diese Ausgabe Layout-Ideen aus 14 Jahren brand eins ausgesucht, auch als Wegweiser für die Zukunft. Denn wir sind überzeugt: Im nächsten Jahr ist Bewegung angesagt. Und wenn das noch nicht Zeitgeist ist, machen wir sie selbst. 

Gabriele Fischer
Chefredakteurin

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