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brand eins 12/2006

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Titel: Wer nichts will, kriegt auch nichts.

Schwerpunkt: Luxus/Minimum

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Es geht nicht um Geld

• Statistik ist eine seltsame Wissenschaft. Mit ihr lässt sich nahezu alles beweisen oder nichts. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum wir pausenlos mit neuen statistisch belegten Wahrheiten bombardiert werden: Die Armut in der Welt nimmt zu. Die Zahl der Armen in der Welt nimmt ab. Die Reichen werden immer reicher. Immer mehr Menschen sind reich. Die Armen werden immer ärmer. Die Armen leben immer besser. Was aber heißt arm? Was reich? Wann gehören Menschen zur eben erst wiederentdeckten und gleich wieder vergessenen Unterschicht? „Ich war vorübergehend arm, und das ist eigentlich eben nicht arm“, stellt der Medientheoretiker Norbert Bolz fest. Und sein Professorenkollege Georg Vobruba konstatiert (S. 64): „Wirklich arm sind bei uns wenige – nämlich nur die, die keine Chance haben, ihre Lage wirklich zu verbessern.“ Soll das heißen: Armut beginnt im Kopf? Zumindest spricht viel dafür, dass Armut weit weniger mit Geld zu tun hat, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Sicher, 345 Euro sind nicht viel. Aber sie können eine Welt eröffnen, wenn man sie, wie der Berliner Künstler Hardy Kuttner, „als Arbeitsstipendium“ interpretiert (S. 80). So könnte auch Ise Bosch ihre Situation beschreiben. Selbstverständlich ist ihre Lage komfortabel – im statistischen Sinne ist die Bosch-Erbin reich. Aber sie führt ein Arbeits-, kein Luxusleben. Und sie nutzt ihr Vermögen, um für andere tun zu können, was sie will. Für sie ist das Luxus (S. 102). Wenn auch keiner, von dem ein Rapper wie Sido in einstigen Plattenbauzeiten geträumt hätte: Er wollte die Goldkette, das große Auto, Geld. Heute, nach Jahren des Erfolges, sind seine größten Freuden nicht weit von denen einer Ise Bosch entfernt: Er gibt gern ab, er baut gern auf und hilft gern weiter (S. 108). Ach ja, die alte Leier; Geld macht nicht glücklich ... Tatsächlich scheint die alte Sofakissen-Weisheit aktueller denn je. Wer anfängt, Luxus an Lebensqualität und nicht an Geld zu messen, verfällt beim Blättern einschlägiger Magazine schnell in Depression. Auch die Neureichen in den Chefetagen sind in ihrem Wettstreit um immer höhere Gehälter längst über die Grenze zur Lächerlichkeit hinweg: mein Auto, mein Boot, mein Haus, meine Frau – und das alles immer größer oder schöner. Das sind die Wünsche von Menschen, die nichts mehr wollen. Oder noch nichts haben: Der Zielkatalog der Manager entspricht ziemlich genau dem Bewusstseinsstand des Kapitalismus-Lehrlings Russland, von dem der Schriftsteller Wladimir Kaminer erzählt (S. 132). Ob also am Ende auch Reichtum im Kopf beginnt? Jedenfalls ist es die Vorstellungskraft, die Armut erträglich und Reichtum wertvoll macht. Schöne Beispiele dafür werden Sie in dieser Ausgabe sehen und lesen. Doch bevor Sie zu blättern beginnen – lehnen Sie sich zurück, vielleicht mit einem Stückchen Schokolade (S. 130), und beantworten Sie der guten Fee aus Kindertagen die bekannte Frage: Sie haben drei Wünsche frei. Was wünschen Sie sich? Kleine Erschwernis: Weltfrieden, Gesundheit und Glück gelten nicht.

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