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brand eins 05/2010

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Titel: Dieses Heft macht sexy!

Schwerpunkt: Irrationalität

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Parallelwelten

• Eine junge Frau auf einem Fahrrad, vorn ein Korb, darin ein Baby. Sie fährt auf einer unübersichtlichen Einbahnstraße, entgegen der Fahrtrichtung. Sie lacht, redet mit dem Kind, freut sich. Offenbar ist es einer der ersten Fahrrad-Ausflüge, ein Ereignis, auf das sie sich ganz konzentriert. Gefährlich? Aber nein. Sie fährt Rad, sie ist Mutter. Ihr kann nichts geschehen. Wie oft einem so etwas passiert. Öfter als früher? Egal. Jedenfalls oft. Und dazu muss man gar nicht den Fernseher einschalten, um Herrn Westerwelle über Hartz-IV-Empfänger oder Herrn Söder über Gesundheit reden zu hören. Es reicht, vor die Tür zu treten, um überall Beispiele dafür zu finden, dass Woody Allens "Stadtneurotiker" keine Ausnahmeerscheinung mehr ist. Und dass die Irrationalität die Überhand gewonnen hat (S. 36). Da streiten sich Weltkonzerne um einen winzigen Plastikfortsatz an der Druckerpatrone (S. 70). Da führt der einstige Qualitätsführer Toyota einer Weltöffentlichkeit vor, dass eine Null-Fehler-Strategie noch lange nicht heißt, dass null Fehler passieren (S. 60). Da leistet sich eine Bundesregierung ein Gesetz, das zwar Heerscharen von Selbstständigen in die Scheinselbstständigkeit treibt, aber kaum einem Politiker der Rede wert erscheint (S. 48). Sicher, für all das gibt es Erklärungen, die man durchaus als rational betrachten kann. Zum Gesamtbild einer konfusen Welt aber tragen sie genauso bei wie der inszenierte Medienskandal um das "Lettre"-Interview mit Thilo Sarrazin (S. 56), die absurde Geschichte des Hamburger Kohlekraftwerks Moorburg (S. 90) oder die Versuche der Politik, Führungsfähigkeit zu simulieren, obwohl es praktisch nur um die Wiederwahl geht (S. 104). Mal innezuhalten und zu prüfen, was taugt und was nicht, das scheint aus der Mode gekommen zu sein. Das beweist nicht zuletzt die überwiegend emotional geführte Debatte um die richtige Energieversorgung. Jeder in seiner Welt und alle gegen die anderen. Das ist in etwa die Kampfaufstellung, welcher der Autor Ulf J. Froitzheim im ungebrochenen Vertrauen auf die letztendliche Kraft der Vernunft Fakten entgegenzusetzen versucht (S. 94). Was aber ist wirklich rational? Und was nur der untaugliche Versuch, Wirrnis als Vernunft zu deklarieren? Im Gespräch mit dem Verschwörungstheoretiker Lyndon LaRouche hat sich brand eins-Autor Gerhard Waldherr das mehr als einmal gefragt (S. 108). Und auch bei der Forderung des kolumbianischen Ex-Präsidenten César Gaviria, endlich den Kampf gegen die südamerikanischen Rauschgift-Produzenten einzustellen, wird manchem die Antwort so schwer fallen wie beim Plädoyer des "Wired"-Chefredakteurs Chris Anderson für eine Ökonomie ohne Geld (S. 116, 86). Und ob der Polarforscher Ernest Shackleton ein Manager-Vorbild ist oder nur ein wahnwitziger Abenteurer (S. 120)? Entscheiden Sie selbst. Vernünftig oder durchgeknallt? Das zu erkennen ist die Profession von Thomas Bock. Er leitet die Psychose-Ambulanz am Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf, und er hält den Grat zwischen Normalität und Wahnsinn für ziemlich schmal. "Wir sind Lebewesen, die an sich zweifeln und verzweifeln können, die über sich selbst hinausdenken – und sich dabei auch verlieren können", sagt er (S. 76). Das ist die Gefahr. Und auch die Chance. Wir dürfen alles denken, wir dürfen uns auch immer wieder auf ein Terrain begeben, das manch anderem irrwitzig erscheint. Aber es schadet nicht, ab und an die eigene Welt mit jener der anderen abzugleichen.

Gabriele Fischer Chefredakteurin

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