brand eins 09/2012 (App)

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Titel: Wer will was?

Schwerpunkt: Interessen

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Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Wir wollen nur Ihr Bestes

• Wochenmarkt ist wunderbar. Jeder weiß, was der andere will, keiner versucht, einem Brokkoli als Anti-Krebsmittel anzudienen. Gut, vielleicht ist die eine oder andere Tomate nicht wirklich bio - aber wer zweifelt, kann einfach zum Nachbarstand gehen. So viel Direktheit ist im Geschäftsleben selten geworden. Kaum einer will seinen Kunden noch eine Ware verkaufen. Vielmehr soll ich mit dem Erwerb eines T-Shirts für die Menschenrechte eintreten, die richtige Papier-Entscheidung treffen, um in den Umwelthimmel zu kommen und überhaupt mit meinem Konsum vorrangig die Welt retten (S.68). Das könnte man nun als ganz normales Marketing verbuchen, wären die Kollateralschäden nicht so groß. Wo jeder eine versteckte hinter der offenen Botschaft vermutet, wächst das Misstrauen und mit ihm die Verschwörungstheorie. Und langsam, aber sicher liest man Werbeversprechen, aber auch Nachrichten wie Arbeitszeugnisse, in denen die eigentliche Botschaft hinter Code-Worten steckt. Das ist anstrengend und ziemlich uneffektiv. Was ist so schlimm daran, seine Interessen offenzulegen? Wer arbeitet, will Anerkennung und einen gerechten Lohn - und nicht in erster Linie Ruhm und Gewinn seines Arbeitgebers mehren (S.58). Wer Journalismus macht, will schöne und hässliche Geschichten aufspüren und davon leben können - nicht unbedingt ein Märtyrer sein (S.98). Und wer wie der Seniorenverband AARP in den USA zu einer der mächtigsten Lobbyorganisationen des Landes geworden ist, will Einfluss ausüben und Geld verdienen – was sonst (S.62)? Es wäre schon viel geholfen, wenn alle, die ein nachvollziehbares Interesse haben, es so laut und deutlich sagten wie der freie Handwerker Jonas Kuckuk (S.132) – es bliebe immer noch genug Decodierungsarbeit zu tun. Allein schon so ein Aufregerthema wie die Gentechnik versammelt mehr Interessen, als es in Deutschland Anbauflächen gibt, aber auch scheinbare Langweiler wie die Industrie- und Handelskammern, Entwicklungshilfeprojekte oder Bildungsangebote für Arbeitslose lohnen den zweiten Blick (S.120, 76, 124, 82). Wenn jemand aber all seine Kraft aufwendet, um vermeintlich Gutes zu tun – dann ist gut beraten, wer erst einmal einen Schritt nach hinten tritt. Von dort aus ist leichter zu erkennen, wer beispielsweise hinter der Fairsearch-Initiative steckt (S.50). Und mit etwas Abstand verändert sich auch das Bild eines Umweltsiegels, etwa dem des FSC. Der brand eins-Autor Dirk Böttcher hat es über Monate eingekreist und eine Menge Interessen gefunden. Ja, Naturschutz ist auch dabei (S.112). Bleibt die Frage, warum es so weit gekommen ist und sich kaum noch einer zu seinen wahren Absichten bekennt? Weil Interesse seit dem 19. Jahrhundert nur noch mit Profitinteresse übersetzt wird, vermutet der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe (S.40). Weil jeder bei Gelegenheit ein wenig lügt und betrügt, sagt der Psychologe Dan Ariely (S.72). Vielleicht auch, weil jeder denkt, der andere mache es ja auch. Wenn das so ist, steigen wir schon mal aus. Wir wollen, dass Sie sich mit brandeins fühlen wie auf dem Wochenmarkt: gute Ware gegen gutes Geld.

Gabriele FischerChefredakteurin

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