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brand eins 04/2012

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Titel: Wenn schon, denn schon

Schwerpunkt: Kapitalismus

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Das kann man besser machen!

• Wir haben mit Kapitalisten gute Erfahrungen gemacht. Es gäbe brandeins nicht ohne sie. Wäre nicht eine Gruppe von Unternehmern bereit gewesen, privates Geld in ein vor zwölf Jahren doch recht hoffnungslos erscheinendes Konzept zu stecken, wäre dieses Magazin eine der vielen Ideen geblieben, für die nie die Zeit gekommen ist. Wir haben mit Kapitalisten auch schlechte Erfahrungen gemacht. In den ersten fünf Jahren, auf der stetigen Suche nach Geld, haben wir Einblicke in den Finanzmarkt gewonnen, die uns zu echten Freunden der sogenannten Realwirtschaft machten. Im Frühjahr 2006, als der New-Economy-Schock endlich verwunden schien und die Börsen wieder boomten (S.130), blieben wir skeptisch und titelten: "Kapitalismus heute - Mehr Geld als Verstand" (03/2006). Sechs Jahre später scheint das System nahezu alle seine Anhänger verloren zu haben. Wer kann, verzockt an den Börsen das letzte Quäntchen Renommee - andere treffen sich in Davos und bereiten sich reumütig auf sein nahendes Ende vor (S.40). Hat er denn nun, gut 20 Jahre nach seinem vermeintlichen Sieg, endgültig abgewirtschaftet? Zumindest ist einiges durcheinander, wenn ausgerechnet ein Linker wie Wolfgang Pohrt nicht in den allgemeinen Abgesang einstimmt. Zwar kann er den Kapitalismus nicht leiden, aber er ist nun mal da. Und Pohrt ist ganz sicher, er wird bleiben, allen Kritikern zum Trotz (S.54). Was tun, wenn der streitbare Publizist recht hat, wofür einiges spricht? Weiterhin schlecht gelaunt die offenkundigen Fehler des Systems beklagen? Oder versuchen, es besser zu machen, die Möglichkeiten zu nutzen, die der Werkzeugkasten birgt? Vielleicht hilft im ersten Schritt, sich das Objekt des Unbehagens ein wenig näher anzusehen. Wer ist verantwortlich dafür, dass chinesische Arbeiter unter unwürdigen Bedingungen unsere Luxusgüter montieren, und wer könnte es ändern (S.82)? Sind Drogenkriege in amerikanischen Großstädten eine natürliche Folge des Kapitalismus - oder des Versuchs, aus seiner Bändigung Kapital zu schlagen (S.126)? Ist es Naturgesetz, wenn Wettbewerb auf Kosten der Mitarbeiter und fairer Löhne ausgetragen wird (S.90)? Und warum siegt dann im direkten Vergleich langfristig nicht das System Schlecker, sondern das System dm (S.100)? Das Schlimmste am Kapitalismus, sagt Wolfgang Pohrt, ist seine Wandlungsfähigkeit. Die Frage ist nur, warum wir sie nicht besser nutzen. Tony Hsieh zum Beispiel, Sohn taiwanesischer Einwanderer, hat seinen US-Versandhandel Zappos verkauft und investiert nun 350 Millionen Dollar, um in Las Vegas das Gegenmodell zur depressiven Burn-out-Gesellschaft aufzubauen (S.64). Mittelständler wie Knut Schuster zeigen Tag für Tag, dass Gewinn und Menschlichkeit keine Gegensätze sind (S.72). Und wer die Dresdner Brüder Peter und Gert Schiekel auf ihrem Weg in die Marktwirtschaft begleitet, lernt zweierlei: dass das kein Spaziergang ist. Und dass man dennoch anständig bleiben kann (S.58). Doch das wird nicht reichen, wenn wir die Zukunft mit dem Kapitalismus genießen, nicht nur erdulden wollen. Dann wird es Zeit, grundsätzliche Fragen zu stellen. Zum Beispiel, warum wir Armut dämonisieren – und gleichzeitig die ausgrenzen, die arm sind (S.142). Oder wie es gelingen kann, aus dem Ende der Arbeitsgesellschaft einen neuen Anfang zu machen und Freiraum zu schaffen, für Ideen und Unternehmertum (S.114,150). Das sind, zugegeben, große Brocken. Aber wenn es gelänge ...?

Gabriele FischerChefredakteurin

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