Unternehmensberater 2015 – brand eins Thema

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Titel: Gemeinsame Sache

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Susanne Risch:

 Beziehungsweisen 

Eigentlich naheliegend, dass Unternehmensberater nicht nur raten, sondern auch den Beweis antreten, dass sich ihr Konzept oder die empfohlene Strategie in der Praxis bewährt. Und doch mussten erst die Projekt- preise sinken und der Wettbewerbsdruck steigen, bevor das lange geschmähte Thema Implementierung in den Fokus der Beraterarbeit rückte. 

Genau genommen ist Implementierung vielleicht nicht das richtige Wort für das, was sich zurzeit in der Branche abspielt. Wenn sich Accenture und Siemens zusammentun und Beraterwissen und Industrie-Know-how in einem eigens gegründeten Unternehmen bündeln, um die Stromnetze der Zukunft zu bauen, ist das nicht die Umsetzung von Projekten, wie sie bisher definiert war. Doch solche Partnerschaften liegen inzwischen im Trend. Kein Wunder: Das Joint Venture Omnetric Group ist ein Jahr nach seiner Gründung bereits ein ernst zu nehmender Player im weltweiten Energiegeschäft (Seite 6). 

Auch anderswo tut sich zusammen, was bislang nicht zusammengehörte. Weil das neue Insolvenzrecht üppige Umsätze in einem Milliardenmarkt verspricht, ziehen plötzlich Juristen, Steuerberater und Consultants an einem Strang und verdingen sich als Sanierungsexperten – leider nicht immer zum Wohle des insolventen Unternehmens (Seite 52). Wieder andere lösen in angestammten Bereichen die Grenzen zwischen Beratung und Begleitung auf: Wie soll man es nennen, wenn Consultants bei ihren Kunden Büros beziehen und ihre Ideen zusammen mit deren Belegschaften in die Praxis übertragen, manchmal über Jahre hinweg? Ist das noch Beratung? Oder eher Zeitarbeit? 

Die Branche selbst nennt es Body-Leasing oder hybrides Consulting, aber unabhängig vom Namen: Auf Kundenseite wächst der Bedarf an Dienstleistungen wie diesen, und für die Pioniere im Markt rechnet sich das Angebot offenbar. Die Münchner Unternehmensberatung Q_Perior erwirtschaftet mit ihrem vor vier Jahren gegründeten zweiten Standbein „Staffing Solutions“ inzwischen schon 25 Prozent ihres Gesamtumsatzes (Seite 56). 

Deutlich höher sind die Umsatzanteile, mit denen die großen Wirtschaftsprüfer derzeit jonglieren und ihre Consultingsparten ausbauen. Ab Mitte nächsten Jahres gelten die neuen EU-Regelungen, wonach Prüfer die Bilanz eines Kunden nur noch maximal zehn Jahre lang testieren dürfen – danach wechselt der Klient im Idealfall als Kunde in die hauseigene Beratungsabteilung. Ein endgültiger Abbruch der guten Geschäftsbeziehung käme die Buchprüfer sonst teuer zu stehen: Allein KPMG, so gibt Vorstand Karl Braun zu Protokoll, verliert bis 2020 im Prüfungsbereich rund 75 Millionen Euro, die es an anderer Stelle wettzumachen gilt (Seite 34).

Auch das sorgt für Beziehungen, die es bisher nicht gab: Die Prüfer kaufen sich Beratungskompetenz durch die Übernahme von Consultingfirmen oder den gezielten Einkauf erfolgreicher Teams. Zusammenschlüsse wie diese sind vielleicht keine Liebesheiraten oder auch nur von gegenseitiger Sympathie
geprägt – das macht sie aber für die etablierte Konkurrenz nicht ungefährlicher: Vernunftehen sind nicht die schlechtesten Verbindungen.

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