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brand eins 11/2009

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Titel: Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt

Schwerpunkt: Denken

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Unter Denkern

• Es muss Ende der achtziger Jahre gewesen sein. Die Japaner machten der deutschen Automobilindustrie gerade das Leben schwer, die nächste Krise kündigte sich an. Und der Kreativitätstrainer Edward de Bono (S. 144) präsentierte seinem Kunden Ford in England einen absurden Vorschlag: Wie wäre es, wenn man auf die schon damals akute Überproduktion nicht nur mit immer mehr Technik und immer niedrigeren Preisen reagierte – sondern stattdessen das Auto zusammen mit einer Dienstleistung, konkret: einem Parkplatz, verkaufte? Leicht vorstellbar, wie das Ford-Management reagierte. "Wir sind ein Technik-Konzern. Parken ist nicht unser Geschäft! " Und es machte auch keinen nachdenklich, dass Honda die Idee für Tokio übernahm. Zu früh, könnte man sagen, zu quer. Oder einfach zu weit vorn? In jedem Fall eine Idee mit Potenzial, wie wir heute wissen. Und doch, zunächst, einfach nur lächerlich. So geht das oft, wenn einer denkt, was andere in ihrem Denken stört (S. 50). Und daran hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht viel geändert. Zwar fehlt inzwischen in keiner Manager- oder Politikerrede die Einsicht, dass Wissen zur wertvollsten Ressource geworden ist. Dass es sich bei Gebrauch vermehrt, wie Betty Zucker und Christof Schmitz schon 1996 in ihrem Buch "Wissen gewinnt" verkündeten, blieb als Erkenntnis weitgehend folgenlos. Im Gegenteil. Fast scheint es, als habe die zunehmende Verfügbarkeit von Information den Denker endgültig ins Abseits gedrängt. Wozu noch selber denken, wenn alles, was jemals gedacht wurde, mit einem Mausklick abrufbar ist? Wozu noch grübeln, lernen, sich auseinandersetzen und mutig in Diskurse gehen, wenn Meinung längst wichtiger ist als Verstand? Weil Nachdenken Spaß macht. Etwa über die Frage, warum es in Deutschland Steuer berater gibt (S. 124). Weil Denken Chancen eröffnet, selbst wenn man sich in jugendlichem Ungestüm das Rückgrat gebrochen hat (S. 136). Weil anders sein und anders denken zwar anstrengend, aber auch ein Erfolgsrezept sein kann (S. 60, 66). Und weil, wie der Nobelpreisträger Harold Kroto nicht müde wird zu postulieren, "wir ohne kritisches Denken schnell wieder zurück wären im Zeitalter vor der Entdeckung des Penicillins" (S. 106). Für Kroto ist es der Zweifel, der die Wissenschaft treibt und den Menschen voranbringt. Und für den Zweifel an dem, was gesetzt erscheint, gibt es Gründe genug. Braucht Ihre Firma wirklich einen Unternehmensberater – oder wäre Selber-Denken auch eine Option (S. 90)? Kennt die Wirtschaftswissenschaft einen Ausweg aus dem Finanzdebakel – oder nur immer neue und weltfremde Modelle (S. 100)? Sind Bauchgefühl und Gesichtsdeutung geeignet, den besten Bewerber zu finden (S. 130)? Warum gibt es hierzulande kein unabhängiges Vordenker-Institut wie Avenir Suisse in der Schweiz (S. 84)? Und was ist eigentlich mit dem Diskurs im Internet: Bringt er uns voran, oder wirft er uns eher zurück (S. 112)? Wer zweifelt, stellt Fragen. Wer fragt, denkt. Und wer denkt, stört. Die lettische Werbeagentur Mooz hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht (S. 118), ebenso wie der chinesische Schriftsteller Han Han (S. 148). Seine satirischen Überzeichnungen der chinesischen Wirklichkeit sind eigentlich mehr, als die Partei erlaubt. Doch noch scheint die Frage offen, ob er nur ein Spaßvogel ist oder eine Gefahr. Das kann man bei neuen, noch fremd erscheinenden Gedanken nie wissen.

Gabriele Fischer Chefredakteurin

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