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brand eins 10/2014 (App)

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Titel: Alles unter Kontrolle

Schwerpunkt: Vertrauen

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Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Kontrolle ist teuer

• Es ist paradox. Seit die Welt immer transparenter wird, kein Geheimnis mehr sicher ist und jeder Spitzbube damit rechnen muss, aufzufliegen, nimmt das Misstrauen zu. Vielleicht wissen wir einfach zu viel. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich manche benehmen, als ginge morgen die Welt unter und sie könnten noch ein letztes Mal Kasse machen. Jedenfalls sind Vertrauen in die Zukunft, das System, den Nächsten nicht eben die Zeichen unserer Zeit. Das ist schade, denn es war nie wichtiger als heute. Wenn sich so viel in solchem Tempo verändert, hat kaum noch einer die Chance, alles im Auge zu behalten. Doch wer nicht mehr kontrollieren kann, muss vertrauen (S.36).

Ist das aber nicht zu viel verlangt in Zeiten, in denen nicht nur Islamisten Angst und Schrecken verbreiten? Nein, sagt Jan Philipp Reemtsma, Autor des Standardwerks „Vertrauen und Gewalt“. Im Gespräch mit Peter Laudenbach entwickelt er seine Schlussfolgerungen, die einen bestürzen, aber auch Mut machen (S.126).

„Vertrauen ist der Anfang von allem.“ So warb die Deutsche Bank in den Neunzigerjahren – heute klingt das wie Satire. Die Finanzkrise hat das Vertrauen in das Finanzsystem erschüttert, besonders auf Zypern, wo Sparer enteignet wurden (S. 104). Und nicht nur dort stellt sich die Frage, wie verlorenes Vertrauen wiederherzustellen ist. Ausgerechnet zwei Ex-Investmentbanker wollen das nun mit einem Finanzportal versuchen, das wirklich unabhängig sein soll. Sie glauben das nicht (S.60)?

Aber wem glaubt man überhaupt noch, heutzutage? Der Wissenschaft, dem Anwalt, dem Autoverkäufer oder Günther Jauch (S.118,68,112,76)? Den Chinesen, die versichern, beste Qualität zu liefern und nie mehr zu kopieren (S.134)? Oder dann doch eher Nebenerwerbs- Satirikern wie den Yes Men, die sehr professionell täuschen (S.146)? Einem entlassenen Straftäter jedenfalls vertraut man eher nicht, dem Bewerber mit herausragenden Diplomen schon – und beides muss nicht richtig sein (S.140,114).

Es ist ein Kreuz mit dem Vertrauen. Und im Unternehmen ist es auch gar keine hilfreiche Kategorie. Das findet zumindest der Vorstandschef von Freenet, dem es reicht, wenn ihm seine Leute folgen: „Wenn Sie wollen, dass alle Leute Ihnen vertrauen, sollten Sie keine Führungs- kraft werden (S.46).“ Auf der anderen Seite kann es mit der Gefolgschaft auch schnell vorbei sein, wenn der Chef von seinen Leuten zu viel verlangt. Werner Michael Bahlsen hat das erlebt, seither denkt er beim Umbauprozess in seiner Keksfabrik sehr viel mehr über vertrauensbildende Maßnahmen nach (S.50).

Denn bei genauer Betrachtung ist es so schwer nun auch wieder nicht, Vertrauen aufzubauen und zu behalten. Zum Beispiel könnte man darauf verzichten, ohne Rücksicht auf Verluste zu spionieren, wie die NSA (S.90). Man könnte sich um die Menschen kümmern und nicht, wie so mancher Vertrauensmann im Betrieb, vor allem um Regularien (S. 80). Und man könnte es nach einem Debakel wie den Doping-Skandalen im Radsport mit Ehrlichkeit und Transparenz versuchen, nicht mit Schönfärberei (S.154).

Das ist naiv? Die Menschen sind nun mal so, und nur wer misstraut, wird nicht betrogen? Mag sein, aber er wird wegen seines Kontrollzwangs kaum dazu kommen, das zu genießen.

Gabriele Fischer
Chefredakteurin

 

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