brand eins 10/2009

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Titel: Bausteine für eine neue Stadt

Schwerpunkt: Stadt

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Unternehmen Stadt

• Fühlen Sie sich wohl in Ihrer Stadt? Wären Sie lieber auf dem Land? Oder in New York, Rio oder Moskau? Die Welt ist klein geworden, nicht nur für die, die der Ökonom Richard Florida die "kreative Elite" nennt. Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeiten und suchen sich aus, wo sie leben wollen. Das heißt umgekehrt, dass Städte und Regionen weltweit im Konkurrenzkampf stehen. Nur was bedeutet das für Städte wie Rostock, Leipzig oder Bonn? Was ein Gemeinwesen zu bieten hat, ist längst nicht mehr nur eine Herausforderung für den lokalen Tourismusverband. Da geht es um Zukunft, um Wohlstand. Und manchmal auch um die Existenz. Reiner Klingholz jedenfalls, Chef des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, hat für so manche Region wenig Hoffnung, gleich, wie viele Euro-Millionen für Infrastrukturmaßnahmen noch hineingepumpt werden (S. 106). Und das nicht nur, weil die Überschuldung der Kommunen immer bedrohlichere Ausmaße annimmt (S. 38, 118): Die deutsche Bevölkerung schrumpft. Und die Menschen, die sich nach attraktiven Standorten umsehen, zieht es nur schwerlich nach Herne oder Bitterfeld. Dann schon eher Rio, Moskau oder Paris. Obwohl, wie der zweite Blick zeigt, auch in den Metropolen nicht alles Lebensqualität ist, was glänzt (S. 84, 142, 148). Wenn aber Größe nicht unbedingt das entscheidende Kriterium ist – was macht eine Stadt dann attraktiv? "Identität", sagt der Politikberater Simon Anholt (S. 60). Wie jede gute Marke müsse sich eine Stadt fragen, was der Welt fehlte, gäbe es sie morgen nicht mehr. Das kann schneller gehen, als so mancher Bürgermeister glaubt. In den USA leiden einstige Großstädte wie Cleveland oder Detroit unter massiver Entvölkerung, was die Städte unwirtlich und die Bürger stadtmüde macht. Eine der Lösungen nennt sich "New Urbanism" (S. 90) und ist für Europäer etwa so absurd wie Paul Romers "Charter City" (S. 72). Nur – was bleibt, wenn die Stadt von gestern für heute nicht mehr taugt? Baut man sie dann nicht am besten neu? Wenn das so einfach wäre. Die Stadt, einst Hort des Handels und der Freiheit, hatte im Lauf der Geschichte eine Menge Angriffe zu bestehen. Erst hatten Herrscher und Zentralisten sie im Visier, weil Stadtbürger schon in früher Zeit zu Selbstbewusstsein neigten (S. 48). Dann begann der wohlmeinendere, aber nicht minder folgenschwere Siegeszug der Stadtplanung. Die Stadt sollte sich nicht mehr entwickeln, sondern entwickelt werden – was deutlich einfacher wäre, gäbe es eine eindeutige Antwort auf die Frage, was eine Stadt lebenswert macht (S. 80). Einer, der das nicht nur genau zu wissen glaubte, sondern es auch mit Betongewalt vertrat, war der französisch-schweizerische Stadtplaner und Architekt Le Corbusier, der seine Ideen bis nach Indien trug. Dort bekam er die Chance, mit Chandigarh seine Stadt zu bauen, ein Experiment, das für heutige Stadtplaner eine Menge Lehrstoff birgt (S. 66). Nur – planlos ist die Zukunft auch nicht zu gewinnen. Denn dann wird das Vakuum schnell durch Unternehmen gefüllt. Und die wollen von der Stadt nur das eine: Kaufkraft beziehungsweise Geld (S. 112, 124). Das Unternehmen Stadt, so eine der Erkenntnisse, ist gewiss nicht leicht zu führen. Und doch haben die Verantwortlichen so manchem Manager eines voraus. Sie sind nicht allein die Bürger sind am Wohl ihrer Stadt mindestens so interessiert wie sie (S. 74, 96, 136). Und kreative, engagierte Bürger sind vermutlich ein echter Wettbewerbsvorteil.

Gabriele Fischer Chefredakteurin

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