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brand eins 09/2011

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Titel: Wirtschaft ist Gut & Böse

Schwerpunkt: Gut & Böse

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Jenseits von Gut und Böse

• Science-Fiction geht gern vom Schlimmsten aus. Und das für mich schlimmste Szenario ist: dass die Guten am Ziel, die Bösen vernichtet und alle einer Meinung sind. So wird es nicht kommen, glücklicherweise; es wäre langweilig und eine Diktatur. Gleichwohl wird ungebrochen für diese Vision gekämpft. Und seit das Internet als Kampfplatz hinzugekommen ist, nimmt die Auseinandersetzung verbal an Härte zu. Daran ist vor allem erstaunlich, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse so verschwommen sind wie nie zuvor. Schwarz-Weiß geht nur, solange keiner in die Ecken leuchtet – je mehr wir wissen oder zumindest erfahren können, desto diffuser wird das Bild. Für alle, die lieber schwarz-weiß sehen, ist das keine gute Situation. Nehmen wir den Finanzmarkt und seine Turbulenzen. Da ist die Sache eigentlich klar: Die Banken sind schuld, die Anleger auch, vielleicht noch die Gier, die im Kapitalismus gedeiht. Doch so einfach wollte es sich der französische Regisseur Jean-Stéphane Bron nicht machen. In einem filmischen Experiment inszenierte er den Prozess Cleveland gegen die Wall Street, zu dem es im richtigen Leben nicht kam. Was schade ist, wie der Film eindrucksvoll zeigt (S. 64). Oder Niccolò Machiavelli, ein klarer Fall auch er: Sein theoretisches Konstrukt aus dem 16. Jahrhundert dient Machtpolitikern bis heute als Legitimation – allerdings, so vermutet der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, vor allem, weil sie ihn nicht verstünden (S. 88). Der zweite Blick macht so manches kaputt, selbst sorgsam gepflegte Vorurteile gegen den Kapitalismus bringt er ins Wanken (S. 42). Andere festigt er, etwa wenn es um die Mafia und von ihr geförderte Bürgermeister in italienischen Problemregionen geht (S. 54). Er hilft aber auch, Zerstörtes zu kitten. So hatte die Hoffnung, Mikrokredite könnten Gutes bewirken, unter der anhaltenden Kritik an Muhammad Yunus, ihrem wichtigsten Verfechter, gelitten. Reinhard Schmidt baut sie, wenn auch mit einigen Grautönen mehr, wieder auf (S. 132). Vielleicht wäre die Welt einfacher, ließe sie sich in Schwarz und Weiß separieren – besser wäre sie sicher nicht. Denn in den Grauzonen entsteht das Neue, weil dort nicht Abgrenzung das Thema ist, sondern Diskussion. So wäre es einfach, Nordkorea dem dunklen Sektor zuzuordnen, und es gibt auch genug Gründe, dem "Geliebten Führer" jegliche Unterstützung zu verwehren. Karl Fall sieht das anders. Und er hat gute Argumente dafür (S. 120). Oder die europäische Bürokratie, wiederum eine klare Sache: ein Monster, das mit Vorliebe Eigeninitiative frisst. Der zweite Blick macht sie noch nicht sympathisch, verständlicher schon (S. 70). Und Unternehmen wie Google, Facebook oder Microsoft? Die kann man gar nicht oft genug betrachten und beleuchten, weil sie geradezu grau-schillernd sind (S. 112). Selbst jene Produkte, die der Deutsche Werkbund als böse, weil jenseits des guten Geschmacks etikettiert, sind nicht nur Tiefpunkte des Designs, sondern auch ziemlich komisch (S. 104). Und besser als anhand dieser Exponate lässt sich über Form und Funktion kaum streiten. So ist diese Ausgabe ein Plädoyer für das Dazwischen, auch wenn wir nie aufhören werden, über Gut und Böse zu diskutieren. Solange wir diskutieren, ist alles gut.

Gabriele FischerChefredakteurin

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