brand eins 08/2014

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Titel: Wer lacht, hat noch Reserven

Schwerpunkt: Spaß

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Es könnte so leicht sein

• Wofür spricht es, wenn Lachseminare angeboten werden, Lehrer mit Klobürsten tanzen und eine Spaßpartei ins Europäische Parlament gewählt wird? Eher nicht für lustige Zeiten. Und auch wer sich ins Internet begibt, sieht neben erfreulicher Kreativität genug, was ihm den Spaß gründlich verdirbt: Es wird geätzt statt gescherzt. Das Niveau bewegt sich in etwa auf der ­Linie, auf der auch schlechte Chefs über ihre Angestellten juxen.

Tröstlich immerhin, dass der Humor besonders gut in Diktaturen gedeiht. Doch er wird auch in Demokratien gebraucht – und vor allem in einer Wirtschaftswelt, in der nur noch ­wenig planmäßig läuft. Die Zeiten, in denen Management bedeutete, das Unvorhergesehene auszuschließen, sind lange vorbei: Heute gilt es, mit Überraschungen zu leben. Und das, so zeigt der Physiker und Kabarettist Vince Ebert (S. 54) geht am besten gewitzt.

Der gute Witz aber braucht Leichtigkeit und ist subversiv. Beides, so weist Wolf Lotter (S. 38) nach, ist – nicht nur – in vielen Unternehmen ungern gesehen. Das Lachen war den Kirchenfürsten so suspekt wie den weltlichen Herrschern, denn „Heiterkeit“, so Lotter, „ist versuchter Königsmord“. Und den fürchten laut dem Humorforscher Willibald Ruch alle, „die Angst davor haben, nicht ernst genommen zu werden“.

Das sind in Unternehmen nicht wenige, wie wir nicht erst seit Stromberg und dem britischen Original „The Office“ (S. 52) wissen. Und vielleicht ist es auch eine Erklärung dafür, warum weiblichen Chefs der Ruf als Spaßbremse vorauseilt: Wissenschaftlich betrachtet, so hat Dorit Kowitz eruiert, ist der Humor gleich verteilt. Im praktischen Wirtschaftsleben kommt das noch nicht überall durch (S. 58).

Dafür blüht in der spaßfreien Zone der unfreiwillige Humor. Jens Bergmann hat sich durch Firmenvideos und Mission Statements gegraben und dabei einiges gefunden, was durchaus mit Oliver Welkes „Heute-Show“ konkurrieren kann (S. 46). Aber ist das Leben nicht sowieso längst komischer als alles, was sich TV-Unterhaltung nennt?

Wir haben dazu sechs Insider befragt. Hugo Egon Balder amüsiert sich beim Frühstück im Türkei-Urlaub längst mehr als beim Fernsehen. Andere sehen durchaus Licht, wenn auch nicht unbedingt ein Feuerwerk (S. 86). Wobei die Frage ist: Was sprüht heute eigentlich noch Funken? Bei Disney, dem größten Unterhaltungskonzern der Welt, ist die Antwort inzwischen eindeutig. Mit Sport lassen sich die Menschen besser und lukrativer unterhalten als mit dem einstigen Gewinnbringer, den Disney-Parks (S. 72).

Der Spaß ist eben kein leichtes Geschäft, wie der 21-jährige Student Andreas Eder gerade lernt. Aus Jux hat er sich für Martin Sonneborns Die Partei aufstellen lassen, nun sitzt er im Gemeinderat und denkt über Sparmaßnahmen nach (S. 96). Mit Spaß Geschäfte zu machen ist dagegen durchaus eine Option, beim Quatsch Comedy Club oder dem Konzertveranstalter FKP Scorpio geht das gut (S. 66, 80).

Humor aber braucht man in jedem Fall, ob man an ihm verdient, ihn fürchtet oder mit seiner Hilfe den Herausforderungen der Zukunft trotzen will. Kann man Lachen lernen? Eher nicht (S. 64). Aber vielleicht hilft zum Einstieg das Gespräch mit Oliver Polak (S. 92). Wenn Sie darüber lachen können, sind Sie auf einem guten Weg.

Gabriele Fischer
Chefredakteurin

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