brand eins 08/2006

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Titel: Komm spielen!

Schwerpunkt: Spielen

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Eins, zwei, drei, los!

• Was hat die Nationalmannschaft 2006, was die Bundesregierung nicht hat? Warum werden die einen bejubelt und die anderen mit sinkenden Quoten bestraft? Gut, die Klinsmänner sind jünger, besser trainiert. Aber darum geht es nicht. Der Unterschied ist, dass sich die einen vom schweren deutschen Tritt befreit und fröhliches Spiel gewagt haben. Während die anderen mit schier unerträglicher Verbissenheit den schweren deutschen Tritt verteidigen. Wie schön wäre es, ließe sich die WM-Stimmung in Flaschen füllen. Doch vermutlich stünde sie bald unter Drogenverdacht. Vier Wochen Spaß: nun gut. Aber dann muss das Spiel auch wieder vorbei sein. Warum eigentlich? Weil das Leben kein Spiel ist!, sagen die Spielverderber. Nur das Spiel schafft Leben!, hält der chilenische Systemtheoretiker Humberto Maturana dagegen (S. 104). Weil wir uns nun endlich wieder ums Geschäft kümmern müssen!, sagen die Chefs. Aber das geht doch spielerisch viel besser!, widerspricht der „Scharlatan“ Ali Wichmann (S. 58). Weil man halt nicht sein ganzes Leben lang spielen kann, sagen die Spielverderber erschöpft. Wer sagt das?, fragen die Comic-Zeichner (S. 76). Ja, sind die denn alle verrückt geworden? Zumindest offener sind die, die bei Spiel nicht nur an Freizeit denken. Was dem Erfolg übrigens nicht schaden muss: Einer wie Claude Elwood Shannon zum Beispiel hat der Welt nicht nur jede Menge mehr oder weniger sinnlose Automaten geschenkt, sondern auch die Grundlagen des binären Systems (S. 88). Wie überhaupt Forschung und Entwicklung, also Zukunft, ohne Spielraum nur schwer funktionieren kann (S. 90). Weil das inzwischen auch den Spielverderbern dämmert, sind Kreativitätsseminare gerade wieder en vogue: Ein paar neue Ideen, in ordentlichen Bahnen, versteht sich, sind durchaus erwünscht. Schade nur, dass sich Kreativität nicht anordnen lässt. Und auch mit den Seminaren ist es wie mit dem Spiel: Man kann gewinnen, muss aber nicht (S. 68). Das Ergebnis ist offen. Risiko! Wenig hassen Manager mehr. Die Wandlung von Unternehmen in Orte, an denen Kreativität gedeihen kann, ist wohl ein größeres Projekt. Aber vielleicht hilft für den Anfang, sich nicht mehr grundsätzlich an jede bestehende Spielregel zu klammern. Stellen wir uns kurz vor, eine Bundesregierung verträte die Haltung: „Die alten Spielregeln taugen nicht mehr, wir müssen neue finden. Wir wissen auch noch nicht so ganz, welches die richtigen sind – aber wir wollen uns auf dieses offene Spiel einlassen. Denn das Festhalten an den alten Regeln führt ins Nichts.“ Undenkbar? Tatsächlich hat ziemlich genau diese Haltung vor gut 40 Jahren den dritten und wohl letzten Weltkrieg verhindert: Als sich John F. Kennedy in der Kuba-Krise entschied, nicht auf die alten Eliten und ihr festgeschriebenes Regelwerk zu setzen, hat er weit mehr riskiert als seinen Job. Und für uns alle gewonnen (S. 48). So dick muss es nicht immer kommen. Aber Spielen hilft auch, wenn es nicht ums Überleben geht. Es macht den Kopf frei, eröffnet Perspektiven, bringt Menschen zusammen und verhilft Völkern zu interessanten Ausprägungen ihrer Identität (S. 82, 64,108, 92, 98). Spielen wir also weiter. Denn das Gute ist: Wir brauchen dazu keine WM.

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