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brand eins 07/2010

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Titel: Kooperieren. Oder verlieren.

Schwerpunkt: Beziehungswirtschaft

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Außer Konkurrenz

• Im Grunde lernt man das schon im Kindergarten: Es ist besser, sich zu verbünden, als sich auf einen Kampf einzulassen, den man nur verlieren kann. Dass die Größeren und Stärkeren dies im Laufe der weiteren Entwicklung gern vergessen, gehört zum Spiel. Dass sich die Kindergarten-Einsicht in Wirtschaft und Politik nur langsam durchsetzt, auch. Doch zumindest in der Wirtschaft scheint sich der Wind zu drehen. Was kluge Kleine längst in funktionierende Kooperationen, Genossenschaften, Bündnisse übersetzt haben, gewinnt auch für die Großen und Starken inzwischen an Reiz: den anderen nicht nur als potenzielles Übernahme-Opfer zu sehen – sondern als Partner, mit dem sich gemeinsam stemmen lässt, was man allein nicht schafft. Das ist kein leichtes Geschäft, wie jeder weiß, der sich an einer echten Beziehung versucht. Und es ist auch nicht unbedingt Neigung, welche die Großen zusammenbringt. Eher schon Vernunft – wie bei jenen elf Konzernen, die gemeinsam an einer Wasserstoff-Zukunft arbeiten (S. 54). Oder echte Not, wie bei der Pharmaindustrie. Die übt sich gerade in einer neuen Form der Forschungskooperation, weil anders nicht mehr viel geht (S. 62). Ob man da schon von Beziehung reden kann? Dazu wäre erst einmal zu klären, was eine Beziehung ist. Und das ist nicht leicht in Zeiten, in denen einen wildfremde Menschen fragen, ob man nicht ihr Freund sein will. So erstaunlich der Erfolg sozialer Netzwerke ist – zur Definition von Beziehung tragen sie nicht viel bei (S. 84). Wofür sie dann gut sind? Wir fragten fünf Online-Pioniere, die schon vor zehn Jahren bei der brand eins-Mailing-Liste zum Cluetrain-Manifest mitgeschrieben haben (S. 48). Doch die wahre Beziehungswirtschaft findet irgendwo zwischen den Zweckbündnissen der Großen und der Unverbindlichkeit der Netzwerke statt. In Güssing zum Beispiel, jenem gottverlassenen Flecken, in dem sich viel Wald mit wenig Zukunft verband, bis eine Gruppe Bürger ihre Ideen zusammenwarf (S. 66). Im Norden der Niederlande, wo aus der Kooperation der Eiscreme-Spezialisten von Ben & Jerry's und einer Genossenschaft ein Hort für wahrhaft glück liche Kühe entstand (S. 92). Oder auch im badischen Bruchsal, wo Klempner um ein Miteinander ringen, auch wenn das dem Handwerker nicht ins Stammbuch geschrieben ist (S. 78). Sie alle wissen: Gut sind wir allein, aber überlebensfähig nur im Verbund. Und dafür nehmen sie eine Menge in Kauf. Sie lernen, die eigenen Interessen wichtig zu nehmen und die der anderen zu achten (S. 100). Sie legen zusammen, auch wenn jeder Einzelne wie beim Comité Colbert schon stark genug strahlt (S. 130). Und sie üben sich in Bescheidenheit und Zurückhaltung, gerade wenn sie wie der Pharmakonzern UCB stärker sind als der Partner, in diesem Fall der Patient (S. 106). Wer weiß, wie Beziehung geht, weiß auch – mit Technik hat sie nicht viel zu tun. Die muss nicht schaden, wie jene Ideen-Plattformen beweisen, wo abseits der Millionen-Communities durch Zusammenarbeit Geschäft entsteht (S. 74). Die nützt aber auch nichts, wenn es an Vertrauen fehlt. Oder an einem guten Grund, das Misstrauen zu überwinden.

Gabriele Fischer Chefredakteurin

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