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brand eins 07/2008

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Titel: Meins! Was nützt Besitz?

Schwerpunkt: Eigentum

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

• Es ist eine der am häufigsten gestellten Fragen: „Stimmt es, dass Sie für brand eins Ihre Eigentumswohnung verpfändet haben?“ Schieres Unverständnis färbt dann gern die Stimme, bisweilen Fassungslosigkeit. Ich habe den Sinn der Frage nie verstanden. Was ist ungewöhnlich daran, Eigentum einzusetzen, um etwas zutiefst Erstrebtes möglich zu machen? Wozu nützt Eigentum, wenn man sich damit nicht Wünsche erfüllen kann? Wäre es wirklich vernünftiger, auf das zu verzichten, was man will, um zu behalten, was man hat? Doch die Vernunft schweigt oft, wenn es um Eigentumsfragen geht. Das Ziel jeden Handelns scheint es zu sein, Besitztümer anzusammeln, gleich aus welchem Grund. Die einen sammeln, um sich am Haben zu erfreuen, andere, um zu zeigen, wer sie sind. Und alle, ein wenig, weil Besitz die Hoffnung auf Sicherheit nährt. Man hat dann was, für schlechte Zeiten. Wer schlechte Zeiten erlebt hat, weiß: Die Hoffnung trügt. Solange alles sicher ist, mag das Häuschen im Grünen ein Grund zur Freude sein – ziehen dunkle Wolken auf, wird es zum Ballast (S. 76). Und auch, was sonst noch in guten Zeiten aufgehäuft wurde, ist nutzlos, solange es sich nicht verkaufen lässt. Was aber heißt das? Den Traum vom eigenen Herd begraben und nur noch sammeln, was in einen Koffer passt? Das Eigentum abschaffen? Und nur noch nutzen, was anderen gehört? Jeremy Rifkin hat in seinem zur Jahrtausendwende erschienenen Buch „Access“ ein solches Szenario entworfen: Weil eine globale Welt ein hohes Maß an Mobilität erfordere, werde das Prinzip des Nutzens das des Besitzens ersetzen (S. 46). In einer Eigentumsgesellschaft ist das ein fremder, fast revolutionärer Gedanke – der dennoch schon weiter verbreitet ist, als man denkt. So lebt ein traditioneller Baukonzern wie Hochtief schon lange davon, dass beim Gebäude nicht zählt, wem es gehört, sondern wie es optimal zu bewirtschaften ist (S. 70). Auch beim geistigen Eigentum, verpackt in Patente oder Urheberrecht, ist nicht immer die beste Lösung, es zu besitzen – es weiterzugeben und von anderen nutzen zu lassen ist oft das bessere Geschäft (S. 66, S. 62). Und selbst die Hausbesetzer-Szene hat zum Thema inzwischen mehr beizutragen als die alte Idee der Enteignung: Die einstigen Besetzer kaufen, ohne Eigentümer sein zu wollen. Hauptsache, es nimmt einem keiner weg (S. 94). Ist also Besitz passé? Darauf gibt es, wie immer, mehr als eine Antwort. Große Ackerflächen beispielsweise sind wertvoll wie nie, was den auf Gemeineigentum setzenden Erben der alten LPGs ebenso nützt wie neuen Großgrundbesitzern (S. 100, S. 106). Beim Kampf ums Erdöl dagegen werden Eigentums- und Nutzungsfragen neu gestellt, und es zeigt sich, dass es nicht schlecht ist, wenn einem etwas gehört (S. 56). Zwischen den Extremen, allen Besitz fahren zu lassen oder sich an ihn zu klammern, gibt es jedoch Möglichkeiten genug (S. 112, S. 118). Und es lohnt, sie sich zu eröffnen. Der Weg dorthin führt über eine kleine, harmlose Frage: Wozu besitze ich das? „Zum Spaß“ ist übrigens keine schlechte Antwort.

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