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brand eins 07/2006

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Titel: Genug gespart. Und jetzt?

Schwerpunkt: Sparwahn

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Die Sicherheit des Sparers

• Management ist Entscheidung im Ungewissen. Vielleicht nähren Manager deshalb diese geheime Sehnsucht nach Gewissheit, nach Sicherheit. Doch ob ein neues Produkt entwickelt oder eine Strategie verändert wird, was am Ende rauskommt, ist schwer abzuschätzen. Nur eine Managemententscheidung führt nahezu immer zum erwünschten Erfolg: die Sparmaßnahme. Wer an Mitarbeitern, Material oder Qualität spart, sieht den schnellen Erfolg. Kurzfristig. Er ist zudem in guter Gesellschaft, zumindest hier zu Lande. Sparen ist der Deutschen Volkssport. Nicht ohne Grund hat sich ausgerechnet hier der dümmlichste aller Werbesprüche: „Geiz ist geil“ zum Bonmot entwickelt. Obwohl jeder, der einen Geizigen kennt, weiß, dass das gelogen ist. Doch irrational wird es schnell, wenn es ums Sparen geht. So haben die Deutschen zwar eine der höchsten Sparquoten, schaffen damit aber nicht annähernd so viel Vermögen wie die verschwenderischen Amerikaner. Und wer das Gezerre um Hartz IV analysiert, kommt um die Einsicht nicht herum, dass der Versuch, an den Gebeutelten dieser Gesellschaft zu sparen, erst einmal gut zehn Milliarden Euro mehr für Kontrolle und Verwaltung gekostet hat (S. 48). In Unternehmen sieht die Bilanz kaum besser aus. Wer sich den Applaus der Hauptversammlung für sprudelnde Gewinne hereingespart hat, wandelt auf einem schmalen Grat: Nichts spricht dagegen, Vergeudung abzustellen, um Ressourcen für Innovationen und Investitionen zu heben (S. 66). Wer allerdings nur spart, um Aktionäre zu beglücken, vernichtet schnell alle Zukunftschancen. In Ausnahmefällen ist Sparen zwar produktiv, etwa wenn man wie der Australier John Symond daraus eine Geschäftsidee entwickelt (S. 102). In den meisten Fällen aber führen Innovationen nach vom. Nur unsicherer ist es eben, wenn man durch die richtige Strategie gewinnen will (S. 108). Dass Sparen Zukunft kosten kann, zeigt sich nirgends deutlicher als im Bildungssystem. Unfassbar eigentlich, dass es sich eine Pfennigfuchser-Gesellschaft leistet, ausgerechnet an der Bildung ihrer Kinder zu sparen – nirgendwo rechnen sich Investitionen so sicher (S. 80). Doch mit dem Zusammenhang zwischen Sparen und Investition haben Sparfüchse offenbar ein grundsätzliches Problem: Bei der Energieversorgung beispielsweise ließen sich durch kleine Verhaltensänderungen und mittlere Investitionen Milliarden sparen – stattdessen vergeuden wir Strom. Und subventionieren Energieproduzenten aller Art (S. 58). Wie sinnvolles Sparen geht? Das wissen am besten die, die sich die Frage nie gestellt haben, weil ihnen Kostenbewusstsein in den Genen steckt. Solide deutsche Mittelständler wie Siedle zum Beispiel (S. 116). Und auch der Mikrofonspezialist Sennheiser hat sicher keine Sekunde darüber nachgedacht, ob sich der Kampf gegen den Giganten Tchibo lohnt: Es ging um die Marke, um die Ehre (S. 18). Erst lange danach ums Geld. Auf Kosten zu achten ist für Staaten, Unternehmen wie Familien eine gute Idee. Gefährlich wird es erst, wenn daraus Sparwahn wird. Wie man den erkennt? Ganz einfach: mit dem gesunden Menschenverstand. Wenn Sparen Geld, Qualität und damit Zukunft kostet, ist die Schwelle erreicht. Schauen Sie sich um. Sie werden sehen: An vielen Stellen sind wir drüber.

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