brand eins 06/2012 (App)

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Titel: Total normal!

Schwerpunkt: Risiko

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Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Immer dabei

• Gut zehn Jahre ist es her, da haben wir uns schon einmal mit dem Thema Risiko beschäftigt. Damals, im September 2001, war nicht nur in den Vereinigten Staaten das Gefühl der Sicherheit mit den Türmen des World Trade Centers verschwunden. Wer noch nicht in Panik war, wurde durch immer neue Warnmeldungen und Spekulationen hineingetrieben, die Sicherheitsbranche bereitete sich auf eine Sonderkonjunktur vor. Es war eine große Zeit für Apokalyptiker jeder Couleur. Seither wurden Kriege geführt, Milliarden vernichtet, Volkswirtschaften ruiniert – und doch herrscht zumindest hierzulande eine nahezu gespenstische Gelassenheit. Trotz Eurokrise und Rekordverschuldung nehmen die Sorgen der Deutschen, Umfragen zufolge, eher ab (S.40). Und wer nach dem größten Risiko fragt, bekommt Antworten wie "schwere Krankheit" oder "Tod". Ob das für Resignation oder Coolness spricht, ist nicht ganz sicher. Jedenfalls hat das Wort Risiko heute, verglichen mit Beginn des Jahrhunderts, einen neuen Klang. Auch wenn wir keineswegs in ruhigen Zeiten leben. Ein Unternehmen zu gründen ist beispielsweise noch immer riskant, besonders, wenn man dabei ins Visier von Naturschützern gerät (S.56). Auch der Aufbau eines Handelsportals ist nichts für sicherheitsbedürftige Gemüter (S.74). Riskant geblieben ist zudem die Raumfahrt, die Suche nach Öl und das Schicksal, in einem amerikanischen Getto geboren worden zu sein –, verändert hat sich die Art, damit umzugehen: Denn wo Risiken sind, ist in aller Regel auch eine Chance (S.116, S.106, S.132). Und wo viel Geld lockt, ist meist auch ein Risiko. Clifford Rossi und Bruce Misamore können ein Lied davon singen. Der eine war Risikomanager bei amerikanischen Banken, der andere Finanzchef des bei Wladimir Putin in Ungnade gefallenen Jukos-Konzerns (S.80, S.50). Für Misamore ist die Politik heute das größte Risiko, so mancher Politiker wird da nicht widersprechen. Aber es gibt auch Risiken, die vor zehn Jahren noch keiner so recht auf dem Zettel hatte. Wer hätte zum Beispiel damals prophezeit, dass sich im Internet eine regelrechte Kampfzone eröffnet? Wer ahnte, dass eine Software in Unternehmen Hierarchien schleifen kann? Und wer hätte die Regenerativ-Energie-Szene davor gewarnt, dass eine der für sie bedrohlichsten Entwicklungen der Sieg über die Atomkraft ist (S.128, S.62, S.100)? Die süditalienische Mafia jeden falls hat sicher nicht damit gerechnet, dass eine betagte Geschäftsfrau im idyllischen Ercolano ihr schönes Geschäftsmodell torpedieren wird (S.124). So kann man nicht sagen, dass die Risiken abgenommen hätten. Im Gegenteil: Neuerdings scheint sogar an nahezu jedem Arbeitsplatz der Burn-out zu drohen, und selbst in der Heile-Welt-Fabrik Degeto hängt der Haussegen schief (S.68, S.84). Neu ist, dass die Panikmaschine immer häufiger ins Leere läuft und immer mehr Menschen das Jetzt genießen, auch wenn das Morgen nicht sicher ist. Das kann man einen riskanten Lebensstil nennen. Oder klug.

Gabriele FischerChefredakteurin

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