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brand eins 06/2005

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Titel: Zuhören statt zutexten.

Schwerpunkt: Kommunikation

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Die Kunst, etwas zu sagen

• Reden können sie schon, all die Politiker, Manager und professionellen Lautsprecher. Schließlich machen sie sich auf Seminaren fit, haben ihre Trainer und jede Menge Gelegenheiten, ihre Wortgewandtheit auf Podien, Veranstaltungen und in Talkshows zu üben. Rhetorisch sind sie dem Normalbürger weit voraus. Gelernt ist eben gelernt. Denken Sie so? Auch noch nach einer Stunde „Sabine Christiansen“ (S. 106)? Dann gönnen Sie sich doch einmal eine Hauptversammlung. Aktie kaufen, Termin abwarten und staunen. Karl-Walter Freitag macht das seit 35 Jahren, und was er über die Kommunikationsfähigkeit der Top-Manager zu sagen hat, ist nicht unbedingt ein Kompliment (S. 100). Rhetorik ist eine schöne Sache, wenn man etwas zu sagen hat – oder sagen will. Doch daran fehlt es, bei Top-Managern, die ihre Strategie lieber mit dem Großaktionär statt mit dem Hauptversammlungs-Besucher diskutieren oder gar mit ihren Mitarbeitern (S, 72). Bei Politikern, die bis heute überzeugt sind, komplexe Zusammenhänge überforderten das Wahlvolk (S. 104). Und auch bei denen, die das Nicht-zu-Sagende übersetzen sollen und dafür Prügel von allen Seiten einstecken, bei den Pressesprechern der Konzerne (S. 66). Als größtes Hindernis der Kommunikation hat der Siemens-Pressesprecher Eberhard Posner in einem gemeinsamen Projekt mit dem Schriftsteller Burkard Spinnen denn auch „Entscheidungsschwäche“ ausgemacht: Wo noch nicht klar ist, was man will, kann man zumindest schon mal drüber reden. Die Flut an Worten, die so entsteht, lässt dem Überschwemmten nur eine Wahl: abtauchen. Oder abschalten (S. 50). So hat sich Kommunikation zu einem Austausch von Formeln entwickelt, deren wichtigste lautet, auf Vorwürfe sofort mit einem Gegenvorwurf zu reagieren – Politiker beherrschen diese Kunst so gut wie die Tarifparteien. Wie wohltuend es ist, wenn einer dieses Muster verlässt, belegt das Interview mit Michael Sommer, DGB-Vorsitzender und nicht unbedingt als Softie bekannt. Er nutzt die Chance des Arguments, bekennt Fehler, widersteht dem Impuls des Vorwurfs. Und ist eindringlicher als mit jedem Megafon (S. 60). Dass laut nicht immer erfolgreich ist, mussten aber auch jene lernen, die sich als Meister der Kommunikation verstehen, die Werber. Große Kampagnen führen zwar zu großer Bekanntheit – aber nicht zwangsläufig zum großen Geschäft. Yello („Strom ist gelb“) ist so ein Beispiel. Und das Gespräch mit dem Yello-Erfinder Bernd Kreutz zeigt nicht nur, dass sich schwer kommunizieren lässt, was nicht ist – es zeigt auch, was passiert, wenn einer wirklich reden will (S. 84). Reden, um sich verständlich zu machen. Dieser selten gewordenen Übung müssen sich vor allem jene unterziehen, die unbekanntes Land erobern. Forscher zum Beispiel, die wissen, was noch niemand versteht (S. 108). Bei ihnen wird Sprache wieder zu einem Medium der Verständigung. Damit sind sie den meisten Rhetorikern weit überlegen.

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