brand eins 05/2011

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Titel: Respekt! Es ist Zeit

Schwerpunkt: Respekt

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Energie, die nie ausgeht

• In der Straßengang ist die Sache klar. Du bist stärker, ich respektiere dich; das ist gesünder für mich. Und so war es früher im Grunde überall: Respekt ging von unten nach oben und war außerhalb der schlichten Angst-Beziehung kaum mehr als eine Floskel. Bis der Respekt auch die umgekehrte Richtung nahm, musste gekämpft, gestritten, auch gestorben werden. Zum schützenswerten Gut hat er es trotzdem nicht gebracht. Inzwischen scheint er sich ganz verflüchtigt zu haben. Politiker fühlen sich so wenig respektiert wie der Bürger, Manager so wenig wie Mitarbeiter. Und wer sich im Internet bewegt, hat das Gefühl: Bis ins 21. Jahrhundert hat es die alte Tugend einfach nicht geschafft. Dagegen spricht, dass über Wertschätzung ständig geredet und sie immer vehementer eingefordert wird. Und dass es im Internet trostlos wäre ohne sie. Ob Wikipedia, Blog oder Web-Ratgeberseite: Sie alle wären nicht lebensfähig, gäbe es die Sehnsucht nach Anerkennung nicht. Für Ulrich Klotz, Vordenker und Außenseiter der IG Metall, ist Respekt deshalb nicht weniger als "das Schmiermittel der Wissensgesellschaft" (S. 38). Hat er recht, bleibt die Frage: Haben wir genug davon? Die gute Nachricht ist immerhin: Respekt ist vergleichsweise leicht zu produzieren. Schon wer ihn dem anderen erweist, hat gute Chancen, ein wenig davon zurückzubekommen. Wer zudem etwas für den Respekt der anderen tut, wird leicht zum Schmierstoff-Millionär. Marlies Borchert zum Beispiel (S. 120). Mittlere Reife, Sekretärin, dann zuständig für Personalfragen in einem Krankenhaus. Und anfangs nicht automatisch Respektsperson für die dort arbeitenden Mediziner. Inzwischen gehört ihr die Klinik. An Respekt fehlt es ihr nicht. Wie sie es so weit gebracht hat? "Nur gemocht werden", sagt sie feinsinnig, "reicht nicht." Darin steckt, was auch Hartmut Mehdorn (S. 102) in seiner langen Managerkarriere erfahren hat: Wer etwas erreichen will, darf nicht "Everybody's Darling" sein wollen. Deshalb zum Kotzbrocken zu werden, ist aber auch keine gute Idee. Die Bundeswehr hat da eine ähnlich lange Lehrzeit hinter sich wie das Management (S. 82, 88). Unterm Strich können alle von den Regeln in der Straßengang lernen (S. 48). Und mehr noch von der wundersamen Entwicklung einer Schule im schwedischen Rinkeby (S. 74). Dort zeigt ein mutiger Lehrer, dass Marlies Borchert so recht hat wie Ulrich Klotz: Respekt will verteidigt werden - aber ist er erst einmal da, wächst das Wissen. Und aus einer Underdog-Schule wird ein Vorzeigeobjekt. Wer das Thema näher beleuchtet, merkt schnell, dass es nahezu alle Lebensbereiche berührt. Ob sich die Deutsche Telekom um einen offenen Dialog mit dem Kunden bemüht, Hunde ihre Herrchen ignorieren oder ein Mittelständler hierarchische Hürden zu überwinden versucht (S. 54, 116, 108) – immer geht es im Kern um Respekt. Auch das zurzeit so brisante Thema Urheberrecht dreht sich nur vordergründig um Geld, schon eher um die Frage, ob respektvoll sein kann, wer die Leistung anderer klaut (S. 60). So können wir immerhin sicher sein: Überlebt hat sich das Thema nicht. Und wiederbeleben lässt es sich ganz leicht. Jetzt gleich.

Gabriele Fischer Chefredakteurin

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