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brand eins 04/2005

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Titel: Macht in Bewegung

Schwerpunkt: Machtwechsel

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Erschütterungen

• Angefangen hat es mit Open Source. Ohne Zweifel haben die Streiter für freie Software die Monopolisten der Branche ganz schön unter Druck gebracht – und selbst wenn das Robin-Hood-Image an der Realität vorbeigeht: Open Source hat verkrustete Strukturen aufgebrochen (S. 68). Ein einmaliger Erfolg? Oder verschiebt sich die Macht auch alldem Orts? Erst einmal auf die Spur gebracht, fühlten wir uns bald wie im Treibsand: Denn während sich die öffentliche Diskussion vor allem um Erstarrung und die Angst vor dem Verlust des Bestehenden dreht, mehren sich, bei gezieltem Blick, die Anzeichen einer weit reichenden Erosion. Die Macht, jahrzehntelang an Beharrung gewöhnt, ist in Bewegung geraten. In diesen Zeiten tief greifender Verunsicherung geraten alte Bastionen ins Wanken. Die Automobilindustrie zum Beispiel hatte sich daran gewöhnt, Entwicklungsaufwand und Kostendruck immer stärker an die wachsende Schar ihrer Zulieferer weiterzugeben. Doch die patente Arbeitsteilung hat einen Haken: Inzwischen ist die Abhängigkeit zumindest gegenseitig – so mancher Zulieferer wäre heute technisch durchaus in der Lage, selbst Autos zu bauen. Den Vorteil hat, wer sich in den Zeiten eindeutiger Machtverteilung wie ein Partner benahm (S. 80). Oder die gute alte Hierarchie: Oft wurde sie umgebaut, verändert, reorganisiert und doch im Kern nicht angegriffen. Sie funktionierte schließlich, solange die Produktion den Takt vorgab und der Auftraggeber Markt dank zahlreicher Instrumente überschaubar schien. Doch heute, da schnelle Reaktion und sensible Kundenpflege den Unterschied machen, geraten starre Organisationsformen leicht an ihre Grenzen. Die Alternative heißt Netzwerk. Oder? (S. 50) Der Boden bewegt sich. Und der Druck kommt von allen Seiten. Wikipedia zum Beispiel, das vom Publikum redigierte Internet-Lexikon, hat die Lexika-Branche ziemlich durcheinander gewirbelt – inzwischen wirbelt es auch bei Wikipedia (S. 74). Oder die »Tageszeitung« (»taz«), jahrzehntelang Vorbild für Chaotiker: Seit einigen Jahren wird dort eine neue Ordnung eingeübt, mit mehr oder weniger großem Erfolg (S. 88). Wie weit die Verunsicherung schon gediehen ist, zeigt aber vor allem ein Blick ins Feuilleton: Wo Obdachlose und Sozialhilfeempfänger zur Avantgarde von morgen erklärt werden, geht die Bewegung in Erschütterung über (S. 106). Alarmstufe Rot für alle, die oben sind und dort auch bleiben wollen. Vermutlich ist so zu erklären, warum sich der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering im April zu einem Rückfall in alte Klassenkampfparolen hinreißen ließ: Weil „die Handlungsfähigkeit des Staates rücksichtslos reduziert“ werde, sagte er einfach mal „der international wachsenden Macht des Kapitals und der totalen Ökonomisierung des Profit-Handelns“ den Kampf an. Da werden sie sich gruseln, die internationalen Konzerne, die im Clinch mit dem Nationalstaat immer noch am längeren Hebel sitzen. Muskeln zu zeigen und laut zu brüllen hat vielleicht noch geholfen, als die Macht klar verteilt und die Strukturen gefestigt waren. Heute ist es klüger, sich die richtigen Partner und Verbündeten zu suchen. Wie wäre es zum Beispiel mit denen, die Bewegung nicht fürchten (S. 60/S. 64)? Die Mut haben, Risiken eingehen und etwas Neues schaffen wollen? Nur so eine Idee.

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