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brand eins 03/2010

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Titel: Die Problemlöser

Schwerpunkt: Logistik

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial: Wissen, wo's langgeht

• So ein richtiger Winter hat schon was. Nicht nur für Kinder, die sich über Rodelrennen und Schulausfälle freuen können. Auch den Erwachsenen hat er eine Menge zu bieten, zum Beispiel die Einsicht, dass alle Mobilität endet, wenn der Gehweg zur Buckelpiste wird und der Flughafen im Schneegestöber versinkt. Dann muss selbst die Bahn vom Wetter reden, dann hockt ein deutscher Ministerpräsident verloren in einem eingeschneiten Washingtoner Hotel, dann wird jeder Auswärtstermin zum Abenteuer. Mobilität? Von wegen.
In solchen Zeiten wird klar, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, dass alles fließt. Und diesen Fluss, der die Wirtschaft in Gang und die Menschen in Bewegung hält, verdanken wir einer Branche, die sich lieber Querschnittsdisziplin nennt und viel mit den Heinzelmännchen gemein hat: Wo immer die Waren- und Dienstleistungswelt ihre Kunden erfreut, sorgen im Hintergrund Logistiker dafür, dass das überhaupt geht. 
So sehr hat sich die Logistik in ihrer Hintergrundrolle eingerichtet, dass kaum einem bewusst ist, dass sie zu den wachstumsstärksten Sektoren hierzulande zählt und deutsche Logistik-Leistungen in der Welt führend sind. Bestenfalls denkt man bei dem sperrigen Begriff an Brummis auf der Autobahn. Oder an das Paket, das wieder mal nicht rechtzeitig angekommen ist.
Wer allerdings einsteigt in die Welt all derer, die Brummis und Pakete bewegen, merkt schnell, dass er im 21. Jahrhundert angekommen ist. Längst geht es in den Visionen der Logistiker nicht mehr darum, den kürzesten Weg zwischen A und B zu finden: Sie träumen vom Beamen, von Informationen, die Produkte ersetzen, und von Paketen, die ganz von allein wissen, wohin die Reise geht (S. 18). Und sie lösen Probleme, von denen der Normalbürger noch nicht einmal ahnte, dass es sie gibt.
 Logistiker sorgen dafür, dass Passagiere ihren Flugsteig finden und eine Steckdose für ihren Laptop (S. 46). Sie durchdringen den Wald mit speziellen Navigationssystemen (S. 70), bringen den Tante-Emma-Laden zurück ins Dorf (S. 34) und den Londoner Bürger, allen Gerüchten zum Trotz, immer wieder zur Arbeit und nach Hause (S. 84). Sie erweitern Häfen, wo kein Land mehr ist (S. 108), schaffen Verkehrssysteme für Slums, durch die keine Straße führt (S. 90), und bringen so Wohlstand und Chancen in alle Teile der Welt. Zum Beispiel nach Afrika, wo Hilfsorganisationen immer wieder an Logistik-Problemen scheitern. Dabei könnte die Lösung so einfach sein: Coca-Cola jedenfalls ist immer schon da (S. 76).
 Wo Grenzen sind, werden die Spezialisten für Mobilität erst richtig wach. Und wo andere von Utopien reden, beginnt für sie das Land, in das es sich aufzubrechen lohnt. Ressourcen sparen und dennoch die Leistung verbessern? Kein Problem, wenn man über Streckenoptimierung und Benzinsparmaßnahmen hinausdenken darf (S. 30). Dann wird die Post zum Automobilzulieferer, und der Spediteur betreibt Logistik-Architektur (S. 114, 80). Und wer zu lange am Alten festhält, bleibt stehen (S. 102) – in der Logistik nicht eben die beste Position.
 Und noch etwas zeichnet diese Querschnittsdisziplin aus, was durchaus zum Vorbild für andere Branchen taugt: Sie ist im weitestgehenden Sinn kooperativ. Wer Strecken und Grenzen überwinden will, muss ständig neue Verbündete suchen. Für Einzelkämpfer ist in der Logistik kein Platz. Sie verirren sich. Und wer muss sie herausholen?

Gabriele Fischer Chefredakteurin

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