brand eins 01/2015

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Schwerpunkt: Selbstbestimmung

Titel: Du

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Auf ein Neues

• Gibt es einen besseren Plan für das neue Jahr, als seinen eigenen Weg zu gehen? Sich nicht länger von den Bedenkenträgern und Besserwissern aufhalten zu lassen, sondern sein Ding zu machen? Stimmt, schon. Aber ist das nicht egoistisch? 

Das ist der Zwiespalt, in dem viele stecken. Sie fühlen sich gebremst, von Vorgesetzten unterschätzt, am falschen Ort. Und scheuen sich doch, etwas zu verändern. Nicht nur aus Angst, auch weil suggeriert wird, was der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann gerade seinen grünen Parteigenossen entgegenhielt: „Freiheit bedeutet, dass wir auch das tun können, was wir sollen.“ 

In dieser Ausgabe werden Ihnen Menschen begegnen, die getan haben, was sie wollen. Einer wie Bruno Rixen zum Beispiel, der durchaus egomanische Züge trägt und mit seiner Wasserski-Seilbahn viele Freizeitsportler glücklich macht (S. 84). Mike Fischer, ein Familienmensch, der seinen Lieben mit den vielen Gründungsideen vermutlich diverse schlaflose -Nächte bereitet hat (S. 82). Oder Yukiko Elisabeth Kobayashi, die ebenso wie Johann Hammerschmid gute Aussichten hatte, als Angestellte Karriere zu machen – beide tauschten die Sicherheit gegen recht vage Pläne ein (S. 76, 142).

Woran es liegt, dass Selbstbestimmung für manche wie Selbstsucht klingt? Wolf Lotter vermutet historische Gründe. Und hat seine Zweifel, dass der Hang zur Anpassung mit dem Selfie enden wird (S. 44). Vielleicht muss man das Kollektiv in seiner ganzen Brutalität erlebt haben, um Selbstbestimmung als Menschenrecht zu sehen. Dafür sprechen die Bilder, die der Fotograf Arwed Messmer in der Stasiunterlagenbehörde gesammelt hat. Dafür sprechen auch die Erfahrungen zweier Ex-DDR-Bürger. Beide waren vor 1989 in der Opposition. Und beide haben sehr eigene Erfahrungen mit der Freiheit gemacht, die der eine als „Einsicht in die Notwendigkeiten“, der andere als „positiven Zwang“ interpretiert (S. 66, 60). 

Auch Alexander Abasov hat sich seine Freiheit erkämpft. Seit einigen Monaten hat der 29-Jährige einen unbefristeten Arbeitsvertrag, und das hätten dem Tetraspastiker nur wenige zugetraut. Er selbst sich schon. Und auch wenn Selbstbestimmung in seiner Situation einen anderen Klang hat: Er schätzt sie sehr (S. 130). Eine Ausnahmesituation? In einer alternden Gesellschaft nicht unbedingt. Im Alter ein Pflegefall zu werden ist eine der größten Zukunftsängste der Deutschen. Dabei hat die Medizin- und Robotertechnik eine Menge Lösungen -parat, man müsste nur die Angst vor der Maschine überwinden (S. 134). 

Ob gegen die Angst vor dem Pflegefall auch hilft, dass jeder seine letzte Entscheidung frei treffen kann, wird zurzeit heiß diskutiert. Die Politologin Ingrid Schneider glaubt das nicht. Und hat nachdenklich machende Argumente zum Thema Sterbehilfe (S. 88).

Es ist wohl naheliegend, dass Selbstbestimmung den höchsten Wert hat, wenn sie bedroht wird. Und auch, dass sie ordnungsliebenden Vorgesetzten so suspekt ist wie manchem Politiker. Wo käme man dahin? Vielleicht gar in eine Welt, wie sie sich die Raubkopierer wünschen? Überzeugender ist vermutlich der Datenschutz-Spezialist Praemandatum, die etwas zivilere Variante einer selbstbestimmten Organisation (S. 54, 124).  

Jedenfalls gibt es viele Wege. Viel Spaß auf Ihrem.

Gabriele Fischer
Chefredakteurin

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