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brand eins 01/2008

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Titel: Extremosan

Schwerpunkt: Extreme

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer in ihrem Editorial:

Geisterfahrer

• Es ist ein alter Witz mit latenter Aktualität. Ein Mann fährt auf der Autobahn und hört im Radio die Durchsage: „Achtung! Ein Geisterfahrer auf der A1.“ Und der Mann schüttelt den Kopf und murmelt: „Einer? Hunderte!“ So ist das oft, wenn Menschen in Außenseiterpositionen geraten oder sich selbst dorthin manövrieren. Sie sehen sich selbst auf der richtigen Seite, die anderen auf der falschen und interpretieren alles als Bestätigung der eigenen Position. Gespräche mit ihnen sind nicht ungefährlich, wie der amerikanische Journalist Jon Ronson bei den Recherchen zu seinem Buch „Radikal – Abenteuer mit Extremisten“ erfahren hat: „Ich wurde selber paranoid, fühlte mich wie ein Komiker in einem Thriller“ (S. 74). Dagegen hilft – Pragmatismus. Wer die Verschwörungstheorien der Welt auf Plausibilität untersucht, hat eine gute Chance, ihnen nicht zu erliegen. Doch leider scheint jener Wirkstoff ein wenig aus der Mode gekommen zu sein. Wer beispielsweise den Medien die Ausgestaltung seines Weltbildes überlässt, muss mit Pragmatismus-Unterversorgung rechnen (S. 90). Wer annimmt, den Mangel durch Fachliteratur ausgleichen zu können, sieht sich etwa beim Thema Ernährung unversehens mit diversen Extremansichten von Experten konfrontiert (S. 104). Und wer dann hofft, zumindest in der Wissenschaft die notwendige Pragmatismus-Dosis zu finden, dem sei ein Blick auf die Preisträger des Ig-Nobelpreises empfohlen (S. 112). So ist es kein Wunder, dass sich brand eins-Redakteur Wolf Lotter zur Entwicklung des Präparates Extremosan (tm) veranlasst sah (S. 44). Dabei ist gegen das Extrem gar nichts zu sagen, wenn es dazu dient, Grenzen zu verschieben. Werber leben davon, den Raum des Möglichen immer wieder zu erweitern (S. 60). Die ganz eigene Szene der Extrem-Musiker testet aus, was eigentlich schon nicht mehr geht (S. 116). Und wenn sich einer wie der ehemalige Unternehmer Kim Peter Erichsen Gedanken darüber macht, wie die schwächelnde Demokratie weiterzuentwickeln sei – dann ist das vielleicht extrem. Aber in jedem Fall ein Denkanstoß (S. 86). Wir brauchen die Extreme – weil sie zum einen helfen, den Raum zu bestimmen. Und weil sie zum anderen oft das Salz in der Suppe sind. Die Welt wäre ärmer ohne Menschen wie den Schweizer Bankier Konrad Hummler, der unter seinesgleichen als Außenseiter gilt, nur weil er sagt, was er denkt (S. 54). Und selbst extreme Experimente wie die Privatisierung in Russland haben noch ihr Gutes: Die Wirtschaftswissenschaft hat eine Fallstudie, die ihresgleichen sucht (S. 124). Was wir nicht brauchen, sind Menschen, gern auch in verantwortlicher Position, die angesichts von Hunderten ihnen auf ihrer Spur entgegenfliegenden Autos noch immer der Überzeugung sind, auf dem richtigen Weg zu sein. Der Pragmatiker sagte sich dann: Egal, wer recht hat, ich kehre um.

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