brand eins 11/2017

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Titel: Verklemm dich nicht!

Schwerpunkt: Frauen/Männer/Arbeit

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:

Wiedervorlage

• Eigentlich geht das Thema aufgeklärten Menschen mittlerweile auf die Nerven. Vernünftigen Frauen, weil es immer noch ein Thema ist. Vernünftigen Männern, weil es sie unter den Generalverdacht der Diskriminierung stellt. Und allen zusammen, weil es wahrlich Wichtigeres zu tun gäbe. Aber es hilft nichts: Wer will, dass es mit dem Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft auf gute Weise vorangeht, muss auch über das Verhältnis der Geschlechter reden. Und dabei geht es nicht (nur) um die jüngst aufgedeckten sexuellen Übergriffe in Hollywood und im Silicon Valley: Es geht um die Frage, wie lange wir es uns noch leisten wollen, Frauen mehr oder weniger subtil bei der Verwirklichung ihrer beruflichen Ziele zu behindern. Und warum wir uns das gar nicht leisten können.

Besonders offensichtlich wird das in der Medizin. Knapp die Hälfte der Ärzte sind mittlerweile Frauen, das Berufsbild verändert sich durch neue Behandlungsmethoden: Der Gott in Weiß wird Teamarbeiter, kann immer häufiger auf eine halbe Stelle gehen und dennoch mehr Verantwortung übernehmen – was Frauen und Männern entgegenkommt (S. 130). Denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entwickelt sich langsam zu dem, was sie ist: ein Thema für Eltern, nicht nur für Frauen. Dafür sorgt nicht nur eine neue Generation von Vätern, die ihre Kinder noch vor dem Abitur kennenlernen wollen: Mit einer veränderten Arbeitswelt entstehen Freiräume, die Familien zugute kommen können – wenn die Partner das wollen und die Firma es erlaubt (S. 114).

Aber noch sind wir weit davon entfernt, die Möglichkeiten zu nutzen. Auch wenn der Gesetzgeber viele Hürden abgeräumt hat und immer mehr Frauen Spitzenpositionen erklimmen: Von einem selbstverständlichen Umgang können weder gestandene Unternehmerinnen noch Gründerinnen berichten. Es ist leider immer noch ein Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau eine Geschäftsidee verfolgt: Bea Knecht kann das belegen, sie gründete Firmen als Mann und als Frau (S. 64, 48, 76, 100).

Dass die Digitalisierung daran etwas ändern würde, hat sich als Fehleinschätzung erwiesen. Zwar spielten Frauen in den frühen Jahren eine durchaus tragende Rolle, wurden dann aber verdrängt, als die Computerarbeit aufgewertet und für Männer interessant wurde. Die Kultur im Silicon Valley ist heute, was Frauen angeht, nicht weit von der der Ruhrbarone entfernt. Inzwischen, so hat der Coremedia-Chef Sören Stamer vor Ort beobachtet, finde immerhin ein Bewusstseinswandel statt (S. 84, 38).

Das wäre zu wünschen. Denn wenn es nicht mehr ums Geschlecht, sondern um die Sache geht, arbeiten Frau und Mann prima zusammen. Wie gut es werden kann, wenn sich Partner ergänzen, zeigen Claudia Dietze und Stefan Richter seit 20 Jahren bei Freiheit.com. Und auch den Familienunternehmen Vaude und Mestemacher hat es keineswegs geschadet, dass an der Spitze Frauen stehen, für die Vielfalt Verpflichtung, nicht nur ein Versprechen ist (S. 88, 108, 96).

Am Ende nützt es allen, wenn es keine Rolle mehr spielt, ob Frau oder Mann etwas leistet. Und ja, das wird noch dauern, wie der Blick in die nordischen Länder zeigt. Aber wenn selbst Saudi-Arabien inzwischen Frauen ans Steuer lässt: Wird es da nicht höchste Zeit (S. 124, 142)?

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