brand eins 11/2016 (App)

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Titel: Du weißt mehr, als du denkst.

Schwerpunkt: Intuition

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Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:

Der unterschätzte Faktor

• Algorithmen haben uns enorme Fortschritte gebracht, aber sie gelten vielen auch als Bedrohung des gewohnten Lebens. Wenn Roboter und Rechner immer klüger werden, wird der Mensch dann überhaupt noch gebraucht? Solche Befürchtungen werden von den Jüngern der künstlichen Intelligenz mit Lust befördert. Im Sommer haben wir uns im Schwerpunkt Digitalisierung damit beschäftigt, was an diesen Allmachtsfantasien realistisch ist (brand eins 07/2016). Dabei kommt man um die Frage nicht herum, was menschliche Intelligenz eigentlich vermag, was den Menschen von der Maschine unterscheidet, was er besser kann. Die logische Antwort: ein Schwerpunkt zum Thema Intuition.

Das ist kein einfaches Unterfangen, nicht nur weil Gespür schwer dingfest zu machen ist. Vor allem, so beklagt der Psychologe Gerd Gigerenzer, hat sich die Esoterik des Begriffs bemächtigt und ihn zur Waffe gegen kalte Technokraten und Analytiker aufgebaut. Doch wo das Bauchgefühl regiert, ist Vorsicht geboten – Wahlforscher beziehen das zunehmend in ihre Prognosen ein. Bauchentscheidungen dagegen werden dringend gebraucht: Wenn die Faktenlage nicht eindeutig ist, bliebe sonst nur Stillstand (S. 36, 138, 142).

Da allerdings kommt das zweite Problem zum Tragen: Wer intuitiv entscheidet, muss dazu stehen. Er kann keine Fakten vorschieben oder objektivierbare Gründe nennen, er hat ein Gefühl – und das ist nur unproblematisch, wenn es nicht trügt. Im Management jedenfalls ist gut beraten, wer eine Entscheidung mit Fakten unterfüttert und als Kopfentscheidung tarnt. Und auch unter Mathematikern ist zwar ein offenes Geheimnis, dass ohne Intuition nichts läuft: Als Ergebnis präsentiert aber werden nur Kopf und Zahl (S. 76, 56).

Unternehmer haben es da leichter, allein schon weil die Folgen einer Fehlentscheidung auf die eigene Kappe gehen. Die Küchenbranche beispielsweise brauchte einen wie Willi Bruckbauer, der sich traute, neue Wege zu gehen. Die Badewannen, Leuchtbilder oder Flaschengläser von Jirko Bannas gäbe es nie, hätte ein Konzernvorstand Rechenschaft von ihm verlangt. Und die Musiker, mit denen der Manager Beat Gottwald sein Geld verdient, wären bei den meisten Firmen durchs Raster gefallen: zu unkonventionell (S. 70, 152, 64).

Aber Intuition ist mehr als das Markenzeichen kreativer Spinner, sie wird in der Wirtschaft und im Leben eigentlich ständig gebraucht. Zum Beispiel wenn sich ein einst solider Mittelständler neu erfinden muss. Wenn zwei Firmen fusionieren. Wenn neue Produkte entwickelt werden, die ohne Gebrauchsanweisung bedienbar sind. Oder wenn über Investitionen entschieden wird: Frank Thelen, unter anderem Investor bei „Die Höhle der Löwen“, verlässt sich dabei auch abseits der Sendung immer wieder auf seinen Bauch. Die amerikanische Investorengruppe Techstars dagegen betreibt einen gewaltigen Aufwand, um das subjektive Element zu eliminieren – indem sie es potenziert (S. 86, 116, 94, 102, 106).

Es läuft eben nicht viel ohne das richtige Gespür für Menschen und Situationen, es ist bei der Polizei so unentbehrlich wie im Verlagsgeschäft (S. 130, 48). Wie sonst hätte Michael Krüger, langjähriger Geschäftsführer des Carl Hanser Verlags, in der Literatur Nobelpreisträger entdecken können, bevor sie es waren? Sein Beispiel zeigt aber auch, was Intuition erst produktiv macht: Erfahrung, die beim Abwägen und Sortieren hilft. Und Mut. ---

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