brand eins 10/2020

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Titel: Erster! Was ist Leistung?

Schwerpunkt: Leistung

Drei Beispiele aus dieser Ausgabe:

• Programme, die den Tastenanschlag und alle Aktivitäten auf dem Bildschirm protokollieren: Soll so die Leistung von Mitarbeitern im Home Office gemessen werden? Diesen und andere Fragen geht Andreas Molitor Report mit dem Titel Bin ich gut genug? nach.

• Wir müssen weniger schuften, uns aber mehr anstrengen, schreibt Wolf Lotter in seinem Essay über Die neue Leistungsgesellschaft. Damit sich die Mühe lohnt, gilt es, mehr auf Verstand und weniger auf Muskeln zu setzen. 

• Lehrer bewerten die Leistungen ihrer Schüler, müssen selbst aber keine Leistungskontrolle fürchten. Peter Laudenbach hat sich von einer Schulrätin erzählen lassen, welche Folgen das hat. Ihr Urteil über Pädagogen: „20 Prozent sind sehr motiviert.“ Johannes Böhme ist der Frage nachgegangen, ob Lehrer und Lehrerinnen besser nach Leistung bezahlt werden sollten.

→ komplettes Inhaltsverzeichnis ansehen (PDF)


Erscheinungsdatum: 25. September 2020
Umfang: 130 Seiten

 

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:

Was am Ende rauskommt

• Manchmal ringe ich lange um den Einstieg ins Editorial. Manchmal geht es schnell, weil mir der erste Satz schon tagelang im Kopf herumgeistert oder plötzlich da ist, wenn ich den Rechner anmache. Ob das Ergebnis gut ist, entscheiden Sie. Aber ist die Arbeit weniger wert, wenn sie schneller entstanden ist?

Die Bemessung von Leistung ist eines der heikelsten Themen im Arbeitsleben. Dass zumindest bei geistigen Tätigkeiten nicht die Zeit, sondern das Ergebnis zählt, ist lange bekannt und offensichtlich – und dennoch in der Praxis keineswegs angekommen. Das wurde nie so deutlich wie in diesen Monaten, in denen eine Pandemie die Arbeit zu Hause durchgesetzt hat. Warum erst jetzt? Warum nicht, wie prognostiziert, schon vor zehn, zwanzig Jahren? Weil der Heimarbeitende außer Kontrolle ist?

Um dem Verdacht des Müßiggangs zu begegnen, lassen sich Unternehmen jedenfalls eine Menge einfallen. Die Überwachung reicht dank digitaler Hilfsmittel bei einigen Firmen bis zum Tastenanschlag, andere setzen auf die soziale Kontrolle durch Kollegen. Das Ergebnis jedenfalls scheint für viele kein vertrauenswürdiger Maßstab zu sein (S. 72).

Aber wie soll man auch Leistung beurteilen, die nicht in Stückzahlen oder Metern zu messen ist? Darauf gibt es keine einfache Antwort, und doch müssen wir uns der Frage stellen, wenn geistige Arbeit immer stärker dominiert und Maschinen das Physische schaffen. Es geht nicht mehr um Zählbarkeit, sondern um die Einschätzung der jeweiligen Leistung, auch um die eigene: Was habe ich geleistet, heute und in meinem Leben? Wir haben einen Ex-Manager, eine Krankenschwester und einen schon in jungen Jahren erfolgreichen Unternehmer gefragt. Und mit einem Richter gesprochen, der es bis zum Internationalen Strafgerichtshof gebracht hat – und dennoch mit dem Ergebnis seiner Arbeit nicht zufrieden ist (S. 38, 60, 100).

Wenn Leistung nicht mehr in gewohnter Weise erfassbar ist, verschieben sich überall die Gewichte. Was ist die Leistung eines Unternehmens, wenn Aktienkurs und Gewinn nicht mehr alles sind? Wie kann man bewerten, dass Firmen Arbeitsplätze schaffen, in Umweltschutz investieren, aber auch Emissionen produzieren? Und welche Geldanlage nützt nicht nur dem Aktionär, sondern auch der Gesellschaft (S. 94, 90)?

Dass Investitionen in Bildung mehr bringen als kosten, wurde bereits in der Industrie-gesellschaft gern betont. Wie ernst man es tatsächlich nahm, belegt der Zustand vieler Schulen. Und auch das Bildungssystem insgesamt zeigt deutliche Spuren von Vernachlässigung. Die Argentinier lernen gerade, wie teuer es ist, wenn man Bildungseinrichtungen verrotten lässt. Und wir alle könnten lernen, dass der Markt nicht alles regelt und eine Gemeinschaft selbst einschätzen muss, was für sie zählt (S. 52, 106, 80).

Rebecca Saive wusste das schon als Schülerin. Sie wollte Wissen sammeln, so schnell und so gründlich es geht. „Professorin für Physik“ schrieb sie als Berufswunsch ins Jahrbuch ihrer Schule, mit kaum 30 Jahren hatte sie es geschafft. Aber nicht deshalb ist sie ein Vorbild: Ihr Ziel sind nicht Titel und Rekorde – sie will das Sonnenlicht bändigen, um die drängendsten Probleme der Erde zu lösen (S. 46).

Was am Ende rauskommt, sollte größer sein als eine Zahl. 

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