brand eins 09/2017 (App)

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Titel: „Bildung war immer die Währung“

Schwerpunkt: Lernen

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Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:

Im Leben lernen

Wir müssen in Bildung investieren! Das ist ein Gassenhauer, den gerade in Vorwahlzeiten jeder singt. Die Frage ist nur, was und wie – da werden die Stimmen schon leiser. Gerechtigkeit gehört zu den Zielen, kleinere Klassen, kostenloser Zugang und bessere Bezahlung des lehrenden Personals (S. 140). Aber ob das genug Vorbereitung ist auf eine ­Zukunft, von der wir lediglich wissen, dass sie neu und anders wird? Viele der Jobs, von ­denen unsere Kinder leben werden, existieren heute noch nicht einmal als Idee. Sicher ist nur, dass eine einzige Ausbildung für ein Berufsleben kaum reichen wird (S. 28).
Dem zu begegnen ist diffizil.

Die entscheidende Frage aber ist nicht, wie Institutionen und Lehrpläne an die unsichere Lage anzupassen sind. Die Frage ist: Wie machen wir Lust aufs Lernen? Mit Neugier, Anregung und selbstständigem Tun – da kann es für Experten wie den Berliner Wissenschaftsphilosophen John Erpenbeck keine zwei Meinungen geben (S. 76). Wie aber schafft man es, dass aus neugierigen Kindern keine lustlosen Schüler werden? Welche Ausbildung ist richtig, wenn der Kollege ein Computer ist? Und wie erhält man die Freude am Lernen im laufenden Betrieb (S. 38, 50, 92, 104)?

Da sind wir dann bei Versuch und Irrtum, universal gültige Lösungen gibt es nicht. Schon deshalb ist eine der wichtigsten Forderungen: Flexibilität. Ausbildungsgänge sollten an jeder Stelle Anschlussmöglichkeiten haben, das Selbstlernen – auch ohne Abschluss – sollte gefördert werden und jede Ausbildung so breit angelegt sein, dass mehr als ein Beruf möglich wird. Die Maschinenfabrik Reinhausen vermittelt deshalb ihrem Nachwuchs keine Fertig­keiten, sondern Kompetenzen: „Wenn die richtigen Grundlagen stehen“, sagt der dafür ­zuständige Stefan Thür, „kann man im Laufe seines Arbeitslebens jeden Technologiesprung adaptieren“ (S. 138, 44, 108, 96).

Wer weiß wofür, kann aber auch mit einer klassischen Ausbildung gewaltige Sprünge schaffen: Die Belegschaft im Berliner Gasturbinenwerk der Siemens AG hat so ihren Arbeitsplatz sicherer gemacht. Überhaupt ist das Wofür für den Lernerfolg entscheidender als Lehrpläne und Ausstattung. Im armen indischen Arni haben Wissenschaftler über Jahrzehnte eine erstaunliche Bildungsexplosion dokumentiert. Und auch wenn das in Afrika erprobte Privatschulkonzept Bridge diskussionswürdig ist: Weil Bildung Aufstieg verspricht, nehmen Eltern und Schüler die Schwächen in Kauf (S. 56, 134, 144).

In Deutschland scheint dieses Versprechen nicht mehr zu gelten. Obwohl Schule und Universität nichts kosten, bleibt der Aufstieg durch Bildung allen Fördermaßnahmen zum Trotz ein frommer Wunsch. Andreas Molitor hat untersucht, woran das liegen und wie man es ändern könnte. Die Schulen allein, so viel sei schon gesagt, können das Problem nicht lösen (S. 126).

Vielleicht liefert der Rapper Xatar da die tauglicheren Antworten. Der Sohn kurdischer Intellektueller hat als Kind viel gelesen und geriet dann als Jugendlicher auf die schiefe Bahn. Nach Jahren im Knast und auf der Straße steht für ihn außer Zweifel: „Am Ende geht es allen um soziale Anerkennung (S. 154).“
Und wir alle entscheiden, wofür es die gibt. 

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