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brand eins 05/2019 (App)

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Titel: Hier ist noch Platz

Schwerpunkt: Chancen in der Provinz

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• Strahlendes Erbe: Das geplante Atommüll-Endlager hat sich fürs Wendland als Segen erwiesen. Eine Reportage
• „Wenn man sich richtig anstrengt, geht überall was“:
Der Geografie-Professor Tobias Chilla lobt die Provinz im Interview
• Wieder da: Rückkehrer und Stadtflüchtlinge zieht es in den Osten. Warum, erzählen sie

komplettes Inhaltsverzeichnis ansehen (PDF)


Erscheinungsdatum:
 3. Mai 2019
Umfang: 130 Seiten


 

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:

Fernab mittendrin

• „Provinziell“ ist kein Kompliment. Dem so bezeichneten Menschen bescheinigt man damit, hinterwäldlerisch zu sein. Dem Ort, dass er idyllisch sein mag, aber auch abgehängt. Dass die meisten deutschen Weltmarktführer in eher abgelegenen Regionen sitzen, tut dabei nichts zur Sache. Die Musik spielt in den Städten, genauer: in den Metropolen.

Ausgerechnet der niederländische Architekt Rem Koolhaas, der sich mit Renommierbauten in den Megastädten der Welt einen Namen gemacht hat, hält diese Sicht für antiquiert. Für ihn ist das Land nicht nur die Voraussetzung dafür, dass Städte sich entfalten können, er hat die Stadt auch zunehmend satt und plädiert dafür, „der Provinz auf eine ganz neue Art und Weise Aufmerksamkeit“ zu schenken. Von der jüngst verbreiteten Idee, alle Finanzkraft auf die Städte zu konzentrieren und Landstriche sich selbst zu überlassen, hält er so wenig wie der Geograf und Regionalentwickler Tobias Chilla. Es gibt keine chancenlose Region, sagt der, „wenn man sich richtig anstrengt, geht überall was“ (S. 32, 68).

Die Frage ist nur, was genau. Die von dem amerikanischen Ökonomen Richard Florida zu Beginn der Nullerjahre als richtungsweisend ausgewiesene kreative Klasse jedenfalls bevorzugt die Großstadt, auch deshalb eröffnen Mittelständler ihre digitalen Dependancen inzwischen bevorzugt in Berlin. Doch auch der Kreative altert, hat irgendwann genug von der Szene, will eine Familie – und da gewinnt die Provinz an Attraktivität. Schließlich erhöht die Digitalisierung nicht nur das Tempo, sondern auch die Chance, fernab mittendrin zu sein. Wer der Stadt den Rücken kehrt, so erfuhr Sophie Burfeind, muss keinesfalls ein Aussteiger sein, eher ein Mensch, der Lärm, Stress und überhöhte Mieten gegen eine neue Qualität eintauscht (S. 88, 56).

Die Kreativität muss dabei keineswegs auf der Strecke bleiben. Claus-Peter Lumpp wurde krank in der Stadt, hätte fast seinen Beruf als Koch aufgeben müssen – heute beschert er dem Gourmetrestaurant des Baiersbronner Hotels Bareiss Jahr für Jahr drei Michelin-Sterne. Die Dorfschule in Wallmow, von Eltern gegründet und bis heute erstaunlich, hätte es in einer Stadt vermutlich nie bis zur Eröffnung geschafft. Und die Ideen, die im Gesundheitszentrum Schwäbische Alb stecken, könnten durchaus auch die Probleme in so mancher Metropole lindern, vermutlich ist dort nur der Druck noch nicht hoch genug (S. 98, 80, 74).

Dass die Provinz zu Unrecht einen schlechten Ruf hat, ist für Wolf Lotter ausgemacht – allerdings auch, dass die Provinzler daran nicht unschuldig sind. Viele schätzen Monokulturen, haben es gern geordnet und kontrolliert. Und brauchen ihre Zeit, um wie einst im Wendland zu lernen, dass mit den Städtern durchaus etwas anzufangen ist (S. 26, 44).

Was möglich wird, wenn die Vorurteile eingepackt und die Chancen genutzt werden, ist im pfälzischen Zweibrücken zu beobachten. Die einstige Garnisonsstadt glänzt heute mit den höchsten Zuwachsraten bei Start-ups, besonders in der Mikrosystemtechnik (S. 64).

Provinziell heißt eben auch: Da geht noch was. 

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