brand eins 04/2017

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Titel: Die Welt ist verrückt? Dann tu was.

Schwerpunkt: Mut

Zum Inhalt dieses Heftes schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:

Wartet nicht

Ohnmacht ist ein gefährliches Gefühl. Wer nicht daran glaubt, etwas tun, etwas verändern zu können, wird gleichgültig oder aggressiv. Das zerstört Familien, Unternehmenskulturen und auch die Demokratie.

Aber ist es ein Wunder, wenn immer mehr Menschen resignieren? Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, die Politik durchschauen nicht einmal mehr die, die sie machen, und das Tempo der Veränderung gibt vielen das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Was kann man da schon tun?

In dieser Ausgabe werden Sie Menschen kennenlernen, die sich diese Frage nie stellten oder eine Antwort gefunden haben. Allen voran die Theaterregisseure, die Peter Laudenbach getroffen hat: Sie stammen aus Kriegsgebieten wie Syrien oder der Ukraine oder totalitären Staaten wie Ägypten, haben sich dem politischen Theater verschrieben und trotz vielfacher Repressalien nicht entmutigen lassen. „Man muss möglichst nah an die Grenze dessen gehen, was man noch zeigen kann“, sagt die ägyptische Regisseurin Laila Soliman (S. 64).

Die Regensburger Hotelbesitzerin Kathrin Fuchshuber muss nicht um ihr Leben fürchten, Mut braucht sie dennoch: Sie hat sich mit den übermächtigen Buchungsplattformen angelegt. Und in Unternehmen finden alltäglich kleine Mutproben statt. Der Luzerner Organisationsexperte Erik Nagel hat untersucht, wie Führungskräfte mit Widerstand umgehen; allzu oft erkennen sie nicht, dass er nützt (S. 58, 76).

Schließlich geht nichts voran, wenn niemand ausschert und Neues probiert. In den Nieder- landen hat das die Gefängnis-Ökonomie komplett verändert. Seit eine konservative Regierung beschlossen hat, den radikalen Vorschlägen eines britischen Psychologen zu folgen, wurde ein Fünftel der niederländischen Gefängnisse geschlossen. Die Kriminalitätsrate sank in den ver- gangenen zehn Jahren jährlich um ein Prozent. Man muss sich nur trauen – das sagt sich auch die Politologin Milli Schroeder. Mit ihren Mitstreitern will sie im sozial benachteiligten Ham- burger Stadtteil Veddel eine Poliklinik aufbauen, die mehr anbietet als Medizin: „Wenn ich merke, hey, ich kann mir selber helfen, geht es mir am besten“, sagt Schroeder. Deshalb bietet die Poliklinik Gesprächsrunden, Sozial- und Gesundheitsberatung an (S. 96, 80).

Mut ist längst nicht mehr das, was russische Männer bewundern. Der Mut ist mittlerweile zu etwas anderem geworden, schreibt Wolf Lotter, „zur Ermutigung, der Erfahrung, dass man etwas schaffen kann“. Wer daran glaubt, gibt weder die Landwirtschaft verloren noch eine vereiste Grenze am Rande der Barentssee. Und er lässt sich auch nicht von all denen den Schneid abkaufen, die mit der Digitalisierung das deutsche Wirtschaftswunder am Ende sehen: In jeder Branche, so das Ergebnis einer Studie der TU Darmstadt, beweisen deutsche Unter- nehmen, dass sie zur Zukunft fähig sind. So geht Ermutigung (S. 74, 48, 86, 120, 104).

Und was hat ein Krimineller in einem Heft zum Thema Mut zu suchen? Zum einen steht die Geschichte über den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi nicht direkt im Schwerpunkt – zum anderen zeichnet Dorit Kowitz das Bild eines Menschen, der immer wieder aufsteht, egal wie tief er fällt. Mutig ist aber vor allem auch der Unternehmer Christian Zott, der Beltracchi ermöglicht, sein Talent nun legal auszuleben (S. 132).

Mut, weiß jeder Bücher- und Kinofreund, schreibt eben die schönsten Geschichten.

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